Wirtschaft : Der neue Chef der Industrie

Berlin - Alle Augen schauen auf Werner Schnappauf. Souverän trägt er den Text seines Redemanuskripts vor, schaltet bei Bedarf von ernster Miene auf ein Lächeln um. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt in einer neuen Rolle: Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI).

Es ist der Auftritt eines Politikers. CSU-Mann Schnappauf war neun Jahre lang Umweltminister in Bayern. Öffentliches Reden ist er gewohnt. Er war nur zweite Wahl, als BDI-Präsident Jürgen Thumann im vergangenen Sommer einen neuen Hauptgeschäftsführer suchte. Sein erster Kandidat Norbert Röttgen, parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, hatte zurückziehen müssen, nachdem es heftige Proteste gegen die Doppelfunktion in Politik und Industrie gegeben hatte.

Schnappauf war bundespolitisch bis dahin kaum in Erscheinung getreten, galt vielen als provinziell. Schlagzeilen hatte nur sein wenig souveräner Umgang mit dem Braunbär Bruno gemacht, den er im Sommer 2006 zuerst für unzurechnungsfähig erklären und dann abschießen ließ. Kurz darauf machte er auch im Skandal um bayerisches Gammelfleisch eine eher unglückliche Figur.

Nun soll alles besser werden. Am Dienstag bei der Jahresauftaktpressekonferenz des BDI füllte der 55- Jährige seine neue Rolle selbstbewusst aus. Weil die Industrie der „Wachstumsmotor Nummer eins“ in Deutschland sei, habe der Verband das Recht, Forderungen an die Regierung zu stellen, sagt er. Und schiebt gleich ein ganzes Bündel solcher Forderungen nach: Der Bundeshaushalt müsse schneller als bisher geplant ausgeglichen, Forschung steuerlich gefördert, Straßen und Schienen besser ausgebaut werden. Beim Thema Umwelt, das er sich selbst vor seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr auf die Fahnen geschrieben hatte, bleibt Schnappauf dagegen überraschend zurückhaltend. Der BDI unterstütze erneuerbare Energien, sagt er vage und fordert zugleich, über längere Laufzeiten für Kraftwerke nachzudenken. stek

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