Wirtschaft : Der neue Chef kommt von Boss: Ab 1. Oktober übernimmt Joachim Vogt den Bekleidungsriesen

Heike Jahberg

Der Boss geht, der Neue kommt. Am Donnerstag hat Klaus Steilmann, der größte Textilproduzent Europas, die Katze aus dem Sack gelassen: Schon am 1. Oktober wird es einen neuen Herrn im Hause Steilmann geben. Weil sich die Familie weder auf ein Unternehmenskonzept noch auf eine neue Führungsstruktur einigen konnte, hat Steilmann nun einen externen Manager verpflichtet. Ex-Boss-Chef Joachim Vogt (47) wird den Vorsitz der Geschäftsleitung in der Klaus Steilmann GmbH & Co. KG übernehmen. Vogt soll später auch Vorstandsvorsitzender in der Steilmann Familien-AG werden, zu der der Firmengründer den Familienbetrieb umbauen will.

Vogt bringe die nötige fachliche Kompetenz mit, begründete der Seniorchef seine Wahl: "Wir wollten für diese Aufgabe einen Branchenexperten, der die Erfahrung besitzt, ein international agierendes Bekleidungsunternehmen zu führen, und dies bereits unter Beweis gestellt hat." Steilmann selbst, der Ende der fünfziger Jahre sein Textilimperium (Umsatz: 1,45 Milliarden Mark) aus dem Nichts geschaffen hatte, will in den Beirat wechseln. In der neuen Aktiengesellschaft, an der derzeit gebastelt wird, wird der Patriarch Chef des Aufsichtsrats.

Für Vogt ist das Engagement bei Steilmann eine spannende Sache. "Steilmann hat das Potenzial, eine noch bedeutendere Rolle auf dem Bekleidungsmarkt zu spielen als bisher", meint der Manager. Bleibt abzuwarten, wie. Denn radikale Veränderungen werden im Hause Steilmann nicht geschätzt. Das musste auch Tochter Britta erfahren. Die hochdekorierte Öko-Managerin erlitt im heimischen Wattenscheid Schiffbruch, als sie moderne Manager ins Haus holte, die das angestaubte Textilunternehmen umkrempeln wollten - mit eigenen Läden und Labels. Doch der Rest der Familie zog nicht mit. Das endgültige Aus für eine friedliche Übergabe der väterlichen Firma an die Töchter kam, als Britta die Machtfrage stellte. Sie wollte das Unternehmen alleine führen, die Schwestern Ute und Cornelia wollten nicht weichen. Es kam zum Krach, Ende März verließ Britta die Firmenzentrale im Revier. Nun kommt also Joachim Vogt. Der gebürtige Sauerländer startete bei Bosch, ging dann zur Unternehmensberatung McKinsey und wechselte 1990 zum Metzinger Bekleidungshaus Boss. Dort beerbte er im Februar 1997 Vorstandschef Peter Littmann, der dem italienischen Eigentümer Graf Pietro Marzotto zu selbstherrlich geworden war. An seine Stelle trat der nüchterne Analytiker Vogt. Doch das Glück währte nicht einmal zwei Jahre. Glaubt man den Branchengerüchten, war es Chefdesigner und Vorstandskollege Baldessarini, der sich an Vogts Hang zu Statistiken rieb und dafür sorgte, dass sein Rivale - ausgestattet mit einem Trostpflaster von 2,6 Millionen Mark - ging.

Auch bei Steilmann kann Vogt sicher sein, dass die Restfamilie ein wachsames Auge auf seine Geschäftsführung wirft. Denn außer Britta sind alle noch an Bord: Mutter Ingrid und Tochter Ute als Geschäftsführerinnen und Tochter Cornelia als Assistentin der Geschäftsführung.

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