Der neue DGB-Chef Reiner Hoffmann : Gewählt für den Ausgleich

Reiner Hoffmann ist der neue DGB-Vorsitzende. Wie wird der Nachfolger von Michael Sommer den Kurs des Dachverbands der Gewerkschaften prägen?

von
Der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.
Der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.Foto: Reuters

Nach zwölf Jahren hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Dachverband von acht Gewerkschaft, einen neuen Vorsitzenden. Am Montag wählten die 400 Delegierten des Bundeskongresses den 58-jährigen Reiner Hoffmann zum Nachfolger von Michael Sommer. Der DGB versteht sich als politischer Arm der Einzelgewerkschaften, der DGB-Chef ist somit der oberste Lobbyist der Arbeitnehmer.

Wofür steht der neue DGB-Chef?

Wuppertaler haben besondere Qualitäten. Versöhnen statt spalten – für diesen Ansatz wurde der Wuppertaler Johannes Rau berühmt. Reiner Hoffmann stammt auch aus der Kleinstadt im Bergischen Land, und „er wird für seine Integrationsfähigkeit geschätzt“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske. Vater Maurer, Mutter Putzfrau, über den zweiten Bildungsweg zum Studium an einer Gesamthochschule, die vom damaligen NRW-Wissenschaftsminister Rau in den 70er Jahren geschaffen wurde, um auch Arbeiterkindern ein Studium zu ermöglichen. Auch für Hoffmann, der Ökonomie studierte (mit Hilfe eines gewerkschaftlichen Stipendiums) und viele Jahre in Brüssel für den Europäischen Gewerkschaftsbund arbeitete. Seit dem 17. Lebensjahr, mit dem Beginn der Ausbildung bei Hoechst, ist er Mitglied der IG BCE, deren Bezirk Nordrhein er zuletzt leitete. Der letzte Arbeitskampf der Chemiegewerkschaft liegt ein paar Generationen zurück. Man ist pragmatisch, bläst selten die Backen auf und pflegt wie keine andere Gewerkschaft die Sozialpartnerschaft mit den Arbeitgebern.

Vor welchen Herausforderungen steht er?

Michael Sommer hat es nicht geschafft, die unterschiedlichen Positionen und Personen der acht Gewerkschaften zusammenzuführen. Zugegeben in schwieriger Zeit, als der Sozialdemokrat Gerhard Schröder das traditionelle Bündnis mit den Gewerkschaften kündigte.

Nach der Wahl des neuen DGB-Vorstands betonte Hoffmann in seiner ersten Stellungnahme: „Der DGB ist geschlossen.“ Wenn er das die nächsten vier Jahre bleibt, hat er einen guten Job gemacht. Hoffmann bekam 93 Prozent der Delegiertenstimmen – er darf das Ergebnis auch als Mandat für Innovationen verstehen. Viele Themen liegen auf der Werkbank: Auch nach dem Mindestlohn für gute Arbeitsbedingungen kämpfen; die „Vereinbarkeit von Beruf und Leben“, wie Hoffmann formuliert, verbessern, indem Beschäftigten mehr Zeitsouveränität bekommen für Weiterbildung, Kindererziehung oder Pflege; die Mitbestimmung weiterentwickeln und das Steuersystem gerechter machen. Schließlich Europa. Mit Hilfe eines Investitions- und Wachstumsprogramms möchte Hoffmann den südeuropäischen Krisenländern auf die Sprünge helfen. „Eine Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent halten soziale Demokratien nicht lange aus“, sagt Hoffmann. Wenn er das ändern will, braucht er aber unter anderem einen guten Draht zur Bundeskanzlerin. Sie kennen sich schon, ein Treffen der acht Gewerkschaftschefs mit ihr hat er moderiert.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben