• Der Neue Markt in den USA "Nasdaq" ist der zweitgrößte der Welt und weckt Investorenphantasien. Aber vorsicht bei den Kosten

Wirtschaft : Der Neue Markt in den USA "Nasdaq" ist der zweitgrößte der Welt und weckt Investorenphantasien. Aber vorsicht bei den Kosten

Jobst-Hinrich Wiskow

Der Neue Markt der USA heißt Nasdaq, ist fast 30 Jahre alt, notiert werden an ihm gut 5000 Aktien und er ist die zweitgrößte Börse der Welt - nur die New York Stock Exchange ist größer. Zu den gelisteten Gesellschaften zählt die High-society der amerikanischen Technik-Aktien. Alles, was Rang und Namen hat für Software, Hardware, Internet, ist dabei. Von der Softwareschmiede Microsoft über den Chip-Produzenten Intel und den Hardware-Komponenten-Hersteller Cisco bis hin zum Telekom-Giganten MCI Worldcom sind die Marktführer vertreten. Sie finden sich wie die 96 anderen gewichtigsten Nasdaq-Unternehmen im Kursbarometer Nasdaq-100. Dessen ansehnliche Bilanz: Sein Wert verdoppelte sich binnen Jahresfrist annähernd. Der Nasdaq-Composite, der Index der alle Werte widerspiegelt, gewann im vergangenen Jahr rund 75 Prozent hinzu. Die Großen an der Nasdaq waren also zumindest in der Vergangenheit die bessere Geldanlage als die Kleinen - wobei auch die noch die Standardtitel von der Wall Street (NSE) deutlich übertrumpften. Denn deren Kursbarometer, der Dow-Jones-Index, verbesserte sich nur um rund 40 Prozent.

Allein 1998 feierten 273 Gesellschaften ihre Premiere an der Börse. Von einer euphorischen Stimmung ist die Rede - und US-Notenbank-Chef Alan Greenspan warnt schon mal davor, die Kurse seien hoffnungslos überbewertet. Der Boom ist riskant: 118 Nasdaq-Firmen meldeten im vergangenen Jahr Konkurs an. Zum Vergleich: An der NYSE, wo ebenfalls einige 1000 Gesellschaften notiert sind, waren es nur zwölf.

"Viele Unternehmen an der Nasdaq schreiben rote Zahlen", sagt Lorenz Kiener vom Investment-Research der Credit-Suisse-Tochter Bank Hofmann in Zürich. Neulinge wie der Online-Aufsteiger Amazon.com, Excite und Yahoo erleben fröhliche Kursgewinne, während sie noch keinen Pfennig Plus aufzuweisen haben. Anleger stört das wenig. Dabei ist es schwierig, die Pleitekandidaten zu identifizieren. Es sei, so Kiener, fast unmöglich, die Firmen angemessen zu bewerten. "Bei vielen ist der Kurs ziemlich aufgeblasen", konstatiert der Zürcher Experte. Kein Wunder, dass sich die Kurse von manchem Favoriten - so von Internet-Portal Sportsline oder Infospace, einem Anbieter von Gelben Seiten im Internet - innerhalb weniger Wochen halbierten.

Wo kein Gewinn ist, da ist auch kein Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dabei ist diese Maßzahl, die ausdrückt, das Wievielfache des rechnerischen Gewinns pro Aktie man heute für eine Aktie bezahlen muss, das Fundament für eine sichere Börsenbewertung. Während man für einen Standardtitel wie DaimlerChrysler ungefähr das 20-fache des Gewinns zahlt, muss man für einen Wachstumswert wie den Hardware-Produzent Cisco ungefähr das 60-fache aufbringen. Anders ausgedrückt: Das Cisco-Papier ist dreimal so teuer wie die Daimler-Aktie. Warum zahlen Anleger so viel Geld? Weil sie sich wachsende Gewinne in Zukunft vorstellen können. Aber ob die Spekulation aufgeht? "Wer weiß, wie viele der Kleinen es morgen noch gibt?", fragt Bank-Hofmann-Experte Kiener.

Um riskanten Einzelwerten auszuweichen, eignen sich zwei Alternativen: Investmentfonds, die in wachstumsorientierte Börsen anlegen sowie Index-Partizipationsscheine, mit denen man den gesamten Index kaufen kann. Freilich, so der Expertenrat, sollte man auch mit diesen Instrumenten vorsichtig sein und das Depot nur verfeinern. Schließlich weiß man nicht, was mit den als technologielastig bezeichneten Branchen in der nächsten Zeit passiert. Das Jahr-2000-Problem trifft - wenn überhaupt - die High-Tech-Branche. Eine etwaige weitere Zinserhöhung vermindert gerade bei den hoch verschuldeten Wachstumstiteln die Aussicht auf baldigen Profit.

Für deutsche Anleger fallen zudem die Kosten ins Gewicht. Käufe und Verkäufe an der Nasdaq sind viel teurer als Transaktionen an der Börse hierzulande. So kostet der Kauf von 100 Microsoft-Aktien zum Kurs von beispielsweise 90 Euro in Berlin bei der Münchener Direkt-Anlage-Bank Gebühren von 49,21 Euro, der von den gleichen Papieren zum Kurs von 90 Dollar in den USA ist aber mit 97,99 Euro fast doppelt so teuer. Zwar werden alle Nasdaq-Titel auch an der Berliner Wertpapierbörse gehandelt. Aber der Markt in der Hauptstadt ist eng, so dass verzerrte Kurse nicht auszuschließen sind. Zudem ist die Berichterstattung über viele ausländische Unternehmen oft lückenhaft - trotz zahlreicher Angebote im Internet (zum Beispiel bei www.cnnfn.com ). Gleichwohl ermöglicht die Nasdaq den Kauf vieler Marktführer in Branchen mit ordentlicher Wachstumsfantasie.

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