Wirtschaft : Der Neue Markt wird endgültig begraben Börsenrat entscheidet über die Reform der Aktienmärkte

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Frankfurt (Main) (AFP). Das Aus für den Neuen Markt soll am Mittwoch endgültig besiegelt werden. Denn dann entscheiden die 24 Mitglieder des Börsenrates in Frankfurt am Main über die Ende September präsentierte Reform der Aktienmärkte, mit der auch das Vertrauen der Anleger zurückkehren soll. Der Neue Markt soll dabei verschwinden. Das Vorhaben sieht vor, dass die Märkte künftig in zwei Bereiche aufgeteilt werden: Ein Premiumsegment und einen „Börsenkeller“, in dem niedrigere Anforderungen an die Transparenz der Unternehmen gestellt werden. Der Börsenrat muss allerdings nur eine Grundsatzentscheidung fällen, an Details wie der Neugestaltung der Indizes tüftelt die Börse noch.

Das künftige Herzstück an der Deutschen Börse dürfte das neue Premiumsegment sein, das hohe Anforderungen an die Unternehmen stellt: So sind im „Prime Standard“ etwa regelmäßige Quartalsberichte, internationale Rechnungslegungsstandards wie IAS oder USGAAP und eine laufende Berichterstattung in englischer Sprache erforderlich. Im so genannten „Domestic Standard“ gelten dagegen für die Zulassung die gesetzlichen Mindestanforderungen.

Die Reform soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten. Bis Ende 2003 soll der zuletzt massiv in Verruf geratene Neue Markt geschlossen werden.

Börsenfachmann Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen drängt darauf, dass die Funktion des Neuen Marktes erhalten bleibt. Es müsse weiterhin einen Markt für kleinere und junge Unternehmen geben, betont Gerke, der auch im Börsenrat sitzt. Auch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) betont, dass die Volkswirtschaft einen solchen Markt brauche. Die Deutsche Börse schließt zumindest aus, dass ein eigenes Segment für Börsengänge geschaffen wird. Diese sollen einem Sprecher zufolge grundsätzlich im „Domestic“ und im „Prime Standard“ möglich sein.

Getrenntes Technologiesegment

Die Zweiteilung des Marktes hält Gerke für einen richtigen Schritt: „Die grundsätzliche Richtung teile ich“, sagt er. Und nur darum wird es bei der Entscheidung am Mittwoch gehen. Offen ist dagegen noch, wie die künftigen Indizes im Premiumsegment genau aussehen und welche Namen sie tragen. Als sicher gilt nur, dass es den DAX aus den 30 wichtigsten deutschen Standardwerten in seiner bisherigen Form weiter geben wird. Daneben soll es im Prime Standard ein Technologiesegment sowie ein „klassisches“ Segment geben.

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