Wirtschaft : Der neue US-Präsident: Deutsche Wirtschaft begrüßt Wahlsieg Bushs

Die Aktien- und Devisenmärkte haben ungewöhnlich verhalten auf den Sieg des Republikaners George Bush bei der US-Präsidentschaftswahl reagiert. Der Dax lag am Donnerstagnachmittag mit 1,62 Prozent im Minus, und der Referenzkurs des Euro wurde bei 0,8839 (Mittwoch: 0,8748) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,2127 (2,2357) Mark. Der Dow Jones ließ sich ebenfalls nicht durch den Ausgang der US-Wahl als vielmehr durch die Ertragswarnung der fusionierten US-Banken JP Morgan und Chase Manhatten beeindrucken. Der Index sank zu Beginn des Handels um 0,64 Prozent. Experten erklärten, die Märkte seien nicht allzu überrascht über den Ausgang des gerichtlichen Tauziehens gewesen. Entscheidend seien Bedenken über die Konjunkturentwicklung in den USA.

Die deutsche Wirtschaft hat den Wahlsieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George W. Bush in den USA begrüßt. Der scheidende Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, sprach am Donnerstag in Berlin von einem "guten Signal für den liberalen Welthandel". Er erwarte, dass Bush den transatlantischen Beziehungen auch weiter einen hohen Stellenwert beimessen werde. Nur wenn Europa und die USA "an einem Strang ziehen, kommt die Welt bei der Liberalisierung des Handels mit Gütern und Dienstleistungen weiter", betonte Henkel.

Nachdem vor einem Jahr in Seattle eine neue Welthandelsrunde vor allem an europäisch-amerikanischen Divergenzen gescheitert sei, erhoffe sich die Industrie von Bush "neuen Schwung für die WTO und mehr Kompromissbereitschaft beim Aushandeln eine zukunftsweisenden Agenda". Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, sagte in einem Interview mit dem InfoRadio Berlin-Brandenburg, er rechne damit, dass die Bush-Administration rasch Steuersenkungen durchsetzen werde. Dies werde die Ausgabenbereitschaft der US-Haushalte anregen, die Binnenkonjunktur stärken und sei damit auch für die Weltkonjunktur nicht schlecht. Zinssenkungen in den USA erwartete Walter nicht. Dies sei "eher eine Fata Moragana" derjenigen, die am Aktienmarkt schlecht gefahren seien, als eine realistische Perspektive.

Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, sagte zur verhaltenen Reaktion der Aktienmärkte, diese seien nach den wochenlangen Verzögerungen nicht mehr "schrecklich überrascht" über den Wahlausgang gewesen. Sorge bereite aber, dass die US-Wirtschaft "möglicherweise in eine Rezession abgleiten wird", sagte Hüfner im ZDF-Morgenmagazin. Vorerst sei aber eine sanfte Landung der US-Konjunktur "in jedem Fall" zu erwarten. Die Mehrheit der Ökonomen prognostiziere ein Wachstum von 3,5 Prozent im kommenden Jahr, also zwei Prozent weniger wie 2000. Schlimm werde es, wenn die "große Befürchtung" eintreffe und das Wachstum auf ein Prozent oder gar Null zurückgehe.

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