Wirtschaft : Der neue Vorstandsvorsitzende Werner Eisenhardt erläutert sein Konzept

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Der neue Vorstandsvorsitzende der Helitz AG, Berlin, Werner Eisenhardt, hat am Dienstagabend erstmals seine Vorstellungen, wie Herlitz wieder in die schwarzen Zahlen gebracht werden kann, erläutert. Naturgemäß gab sich Eisenhardt zuversichtlich, dass eine Trendwende bei dem Berliner Büro- Papier- und Schreibwarenhersteller und -verkäufer zu erreichen sei, räumte aber zugleich ein, dass hierfür nicht mehr viel Zeit sei. Immerhin beläuft sich der Schuldenberg von Herlitz bei einem jährlichen Umsatz von knapp 1,5 Milliarden Mark auf rund 670 Millionen Mark, der Jahresverlust in 1999 wird über 73 Millionen Mark liegen.

Eisenhardt, der sich selbst als "entscheidungsfreudiger Macher" bezeichnet, gibt sich ein halbes Jahr, um erste Erfolge vorweisen zu können. Die strategische Basis von Herlitz sei seinem Kerngeschäft "hervorragend". Sein längerfristiges Ziel ist eine Umsatzrendite vor Steuern von fünf circa Prozent, was einem Gewinn vor Steuern von etwa 50 Millionen Mark entsprechen würde.

Als Kernkompetenz bezeichnete Eisenhardt die Dienstleistung für den Handel, doch genau in diesem Bereich müsse sich auch die Philosophie ändern. Herlitz müsse von wachstums- und nur kundenorientiert auf ertragsorientiert umstellen. "Der Gedanke, einen beispiellosen Service zu bieten, ist hervorragend, aber ich muss auch schauen, was dabei für mich herausspringt." Durch die Service-Orientierung sei Herlitz sehr kompliziert geworden. Der Konzern müsse einfacher werden, könne nicht mehr jeden Auftrag annehmen, müsse den Wert der Dienstleistungen (möglicherweise auch im Preis) deutlicher machen. Ein Umsatzrückgang sei nicht auszuschließen. "Wir müssen die Strategie nicht neu erfinden, aber wir müssen die Kosten senken", so sein Fazit.

Die Mitarbeiter werden erst einmal Einbußen hinnehmen müssen. Neben dem Abbau von rund 550 Arbeitsplätzen und der Schließung von fünf Standorten, wird auch auf allen Ebenen ein Dreizehntel des Jahreseinkommens gestrichen. Für die Arbeiter und Angestellten bedeutet dies im Jahr 2000 kein Weihnachtsgeld. Daneben steht eine Vereinbarung über die Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit um zwei Stunden auf dann 37 Stunden an den Berliner Standorten Spandau und Tegel vor dem Abschluss.

Eisenhardt machte keinen Hehl daraus, dass eine Zusammenfassung aller Aktivitäten in Falkensee wirtschaftlicher wäre, konkrete Abwanderungspläne an die Berliner Stadtgrenze nannte er aber nicht. Das Lager in Falkensee ist auf einen Umsatz von rund zwei Milliarden Mark jährlich ausgelegt, derzeit aber nur zur Hälfte ausgelastet. Denkbar seinen auch Logistik-Dienstleistungen für Dritte, so Eisenhardt.

Die Aktionäre werden noch viel Geduld haben müssen. Eine Prognose, wann wieder eine Ausschüttung erfolgt wollte Eisenhardt "beim besten Willen nicht geben".

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