DER OBERBÜRGERMEISTER : "Die guten Zeiten sind vorbei"

Bernd Vöhringer, Oberbürgermeister von Sindelfingen, spricht mit dem Tagesspiegel über den Verlust der C-Klasse und die Abhängigkeit von Daimler.

Herr Vöhringer, wie geht es Ihrer Stadt?



In diesem Jahr wird sie schwer gebeutelt. Wir mussten Gewerbesteuer zurückzahlen, sodass wir in diesem Jahr mehr für Rückzahlungen ausgeben als wir einnehmen. Und nun auch noch die Entscheidung von Daimler. Wir haben traditionell eine sehr hohe Wirtschaftskraft und entsprechend geringe Arbeitslosigkeit. Da wir ein Automobilstandort sind, trifft uns die Krise besonders hart. Vor allem mancher Zulieferer schleppt sich über die Runden, 2010 wird ein schwieriges Jahr.

Warum ist der Verlust der C-Klasse so gravierend, es gibt doch einen Ausgleich?


Aber wie sieht der Ausgleich aus? Vermutlich wird Wertschöpfung auch per Insourcing wieder ins Unternehmen geholt – das geht aber dann zulasten der Zulieferer in unserer Region. Zum anderen braucht ein großes Autowerk eine kritische Masse an Produktion. Wenn nun das volumenstärkste Modell abgezogen wird, dann schwächt das die Wirtschaftlichkeit des Werks.

Haben Sie versucht, Einfluss zu nehmen auf die Daimler-Entscheidung?


Wir haben Gespräche geführt mit Werksleiter, Personalvorstand und Betriebsrat, doch die Möglichkeiten der Kommunalpolitik sind begrenzt.

Obwohl es eine besondere Beziehung gibt zwischen Stadt und Werk?

Die Verbindung ist sehr eng. Wir haben von dem Werk profitiert, und umgekehrt haben wir Flächen zur Verfügung gestellt. Als Daimler-Stadt waren wir einmal die reichste Stadt Deutschlands. Das ist vorbei. Wegen der Steuerrückzahlungen haben wir 2009 eine Neuverschuldung von 38 Millionen Euro. Damit sind wir meilenweit entfernt von einem gesetzmäßigen Haushalt.

Das Gespräch führte Alfons Frese
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CDU-Politiker Bernd Vöhringer (41) ist seit 2001 Oberbürgermeister von Sindelfingen, der Autostadt bei Stuttgart mit 60.000 Einwohnern.

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