Wirtschaft : Der Ölpreis sackt auf Zweijahrestief

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Verbraucher von Heizöl und Benzin können in den kommenden Wochen mit stärker sinkenden Preisen rechnen. Der Grund: Die Erdöl exportierenden Länder im Nahen Osten, Asien und Amerika stehen vor einem Streit über die Fördermengen des Rohstoffes. Weil der Ölpreis seit Wochen weit unter der vom Rohöl-Kartell Opec angestrebten Preisspanne liegt, übt die Opec Druck vor allem auf Russland aus, das Angebot auf dem Weltmarkt zu verknappen.

Zwischen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Russland zeichnet sich seit Donnerstag ein heftiger Kampf um Marktanteile und Preise ab. Auslöser ist der schärfer werdende Wettbewerb um Abnehmer für Rohöl.

Spätestens seit den Terroranschlägen am 11. September müssen die Erdölexporteure im Nahen Osten, Asien und Amerika fürchten, dass die weltweite Rezession auch im kommenden Jahr zu einem drastischen Rückgang des Ölverbrauchs führen wird. Schon jetzt prognostiziert etwa der Hamburger Mineralölwirtschaftsverband, dass der Inlandsabsatz für Heizöl und Kraftstoff im Jahr 2002 um fast drei Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehenwird.

Weil der Rohölpreis wegen der schwachen Nachfrage seit Wochen konstant unter dem Zielkorridor der elf Opec-Mitgliedsstaaten liegt (22 bis 28 Dollar je Barrel), haben sich die Ölminister der Länder bei ihrer Tagung in Wien darauf verständigt, die Fördermenge ab Januar 2002 um 1,5 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. Ihre Bedingung: Nicht-Opec-Mitglieder Russland und Norwegen folgen dem Beispiel und drehen die Ölhähne ihrerseits um eine halbe Million Barrel pro Tag zu.

Moskau lehnte dies am Donnerstag jedoch ab. Russland ist das wichtigste Nichtmitglied und produziert rund sieben Millionen Barrel pro Tag, wovon gut vier Millionen Barrel exportiert werden und ganz wesentlich zur Finanzierung des russischen Staatshaushaltes beitragen. Nachdem sich Moskau zum Wochenbeginn zu einer - eher symbolischen - Kürzung der Fördermenge um 30 000 Barrel bereit erklärt hat, sagte Ministerpräsident Michail Kasjanow am Donnerstag, dass "die Menge nicht weiter reduziert wird". Die Opec kündigte daraufhin an, sie werde ihre in Aussicht gestellte Senkung der Produktion bis auf weiteres nicht umsetzen. "Wir haben Zeit", sagte Saudi-Arabiens Ölminister Ali el Nuaimi in Wien. "Wir werden sehen, wer der Entschlossenere ist." Der Druck des Opec-Kartells zeigte bisher nur in Mexiko Erfolg, das am Donnerstag ankündigte, ab dem 1. Januar 100 000 Barrel pro Tag weniger zu fördern.

Marktbeobachter wie der Rohstoffexperte des Hamburger Wirtschaftsinstituts HWWA, Klaus Matthies, erwarten nun einen Preiskampf, "der die Ölpreise bis nahe zehn Dollar drücken könnte". Ein ähnliches Szenario gab es bereits vor zwei Jahren, als der Ölpreis kurzfristig so tief sank. Auch damals stritten die Erdölförderer um den Markt. Ein deutliches Zeichen ist für Matthies auch die Uneinigkeit der Opec-Mitglieder untereinander. Mit dem einsetzenden Nachfragerückgang hätten sich die Opec-Länder immer weniger an ihre eigenen Zielvorgaben (Tageshöchstförderung 23,5 Millionen Barrel) gehalten. "Wenn es jetzt zum Streit kommt, schwindet auch die Solidarität innerhalb des Kartells."

Die internationalen Märkte teilen offenbar diese Prognose: In London fiel der Preis für die Nordsee-Sorte zum Handelsauftakt am Donnerstag um 30 Cent auf 18,45 US-Dollar. Dies war der niedrigste Stand seit Juli 1999. Am Abend sackte er sogar unter 17 Dollar.

Für die Verbraucher hätte eine solche Entwicklung nur Vorteile. Wegen der schwachen Nachfrage bei Heizöl und auch Kraftstoffen würden Rohstoff-Preisnachlässe erfahrungsgemäß rasch an die Endverbraucher weitergegeben, sagte Matthies dieser Zeitung. Wer seine Heizöl-Vorräte noch nicht aufgefüllt hat, sollte deshalb noch einige Wochen warten und dann von den geringeren Einkaufspreisen profitieren.

Dass die Rohstoffpreise schon jetzt so niedrig wie lange nicht mehr sind, bestätigte am Donnerstag das Statistische Bundesamt. Im Oktober fiel der Preis bei Mineralölerzeugnissen im Jahresvergleich um 14 Prozent. Die Preise von leichtem Heizöl waren sogar um ein Viertel niedriger als 2000.

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