Wirtschaft : Der Optimismus dominiert

Konjunkturkolumne Tagesspiegel Handelsblat

Konjunkturmotor im Westen leicht geschwächt / Osten in FahrtKonjunkturkolumne von Tagesspiegel und Handelsblatt, Mai 1997

Seit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einmal monatlich eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit dem Handelsblatt, das Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.Neben einer Analyse der Auftragseingänge fragen wir auch nach den Erwartungen der Unternehmen und beobachten die aktuellen Zinstrends.Die Konjunkturlokomotive hat im Mai im Westen ein wenig an Fahrt verloren.Nach einem leichten Anstieg in den beiden Vormonaten gab der Handelsblatt-Frühindikator um 0,1 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent nach.Damit liegt er immer noch deutlich (0,9 Prozent) über dem Vorjahresniveau.Die westdeutsche Wirtschaft dürfte sich damit weiter erholt haben, nur wächst sie mit vermutlich 1,5 Prozent eher moderat.Der Frühindikator zeigt frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte an.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktionsentwicklung um ein Vierteljahr voraus . Im Verarbeitenden Gewerbe beurteilen die Unternehmen laut einer Ifo-Umfrage die Lage etwas schlechter als im Vormonat.Dennoch blicken sie wegen der Exporte mehrheitlich weiter optimistisch in die Zukunft.Die Kapazitätsauslastung stieg von Dezember bis März um 1,7 Prozentpunkte auf 84,9 Prozent.Die aktuelle Nachfrage im westdeutschen Verarbeitenden Gewerbe war im Februar zwar leicht rückläufig, das Auftragsvolumen aus dem Ausland lag jedoch deutlich höher als in allen Monaten des vergangenen Jahres.Schwer zu kämpfen haben nach wie vor die Baufirmen; 1996 schrumpfte die Zahl der Baugenehmigungen im Westen um 11 Prozent, bei den Wohnungen sogar um 15 Prozent.Im Februar verbuchte die Branche aber verglichen mit dem Vormonat ein Auftragsplus von 16 Prozent.Ein möglicher Grund: die allmähliche Trendumkehr bei den Zinsen, die viele Bauherren zu Aufträgen motiviert hat.Der Dreimonatszins Fibor der Durchschnittszins der Banken, zu dem sie bereit sind, Unternehmen Geld zu leihen kletterte um 0,07 Prozentpunkte auf 3,26 Prozent.Die Durchschnittsrendite für festverzinsliche Wertpapiere beendete ihre Talfahrt und stieg um 0,2 auf 5,1 Prozent.Im gesamtdeutschen Einzelhandel sind im Februar nach dem starken Januargeschäft die Umsätze eingebrochen, und zwar um real und saisonbereinigt 6 Prozent. Im Osten nimmt die Konjunktur weiter Fahrt auf.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die fünf neuen Länder ist im sechsten Monat in Folge gestiegen und legte im April um 0,3 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent zu.Deshalb könnte sich die ostdeutsche Wirtschaft bereits in diesem Jahr deutlich beleben, obwohl die Forschungsinstitute dies in ihren Frühjahrsgutachten erst für 1998 erwarten.Das Konjunktur-Barometer funktioniert ähnlich wie der Frühindikator, allerdings mit anderen Einzelindikatoren, die auch anders gewichtet sind.An Zugkraft für die Ost-Konjunktur gewinnt immer stärker das Verarbeitende Gewerbe.Wie in den vergangenen beiden Monaten verbuchten die Unternehmen mehr Bestellungen, die Auftragseingänge lagen im Februar um 4,4 Prozent über dem Vorjahresniveau.Die Nachfrage stieg saisonbereinigt um 6,5 Prozent.Dazu hellt sich die Stimmung weiter auf.Ihre aktuelle Lage schätzen die Unternehmen laut einer Ifo-Umfrage zwar etwas pessimistischer als im Vormonat ein, die Zukunft sehen sie jedoch sehr optimistisch.Trotz des abgeklungenen Baubooms Ende 1996 ist die Branche im Osten nicht vollends abgestürzt.Im Januar und Februar konnten die ostdeutschen Wohnungsbaufirmen um knapp 12 und 7 Prozent mehr Aufträge verbuchen als im Vorjahr.Der Grund: Der Abbau der Sonderabschreibungen vollzieht sich gleitend.Im gesamten Bauhauptgewerbe ist jedoch die Nachfrage stark gesunken, die Auftragseingänge lagen im Januar und Februar um 11,5 und 7,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.Tsp

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