Wirtschaft : Der Osten arbeitet länger Streik für 35 Stunden in der Londoner U-Bahn

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Berlin In Westdeutschland wird ungefähr so lange gearbeitet wie im übrigen Europa, in Ostdeutschland jedoch deutlich länger. Die tarifliche Wochenarbeitszeit liegt im Westen im Schnitt bei 37,7 Stunden und im Osten bei 39 Stunden, hat das DGB-nahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) errechnet. Danach ist die tarifliche Arbeitszeit unter anderem in England, Frankreich, Dänemark und Holland kürzer als in Deutschland. In mittel- und osteuropäischen EU-Staaten gilt dagegen zumeist noch die 40-Stunden-Woche. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen warnt das WSI vor eine Verlängerung der Arbeitszeit in der Bundesrepublik, weil diese „beschäftigungspolitisch höchst problematisch“ wäre und einen „gefährlichen europäischen Wettlauf um die Arbeitszeitdauer in Gang setzen würde“. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit bestätigte die Berechnungen des WSI. Ferner sei die Arbeitszeit in Deutschland sehr flexibel, meldete sich das IAB in der aktuellen Debatte um längere Arbeitszeiten zu Wort.

Während in der Bundesrepublik von kürzerer Arbeitszeit keine Rede mehr ist, stellten sich die Bewohner Londons auf ein Verkehrschaos ein. Am Mittwoch wollen rund 7500 Beschäftigte der U-Bahn 24 Stunden für die Einführung der 35-Stunden-Woche streiken. Die U-Bahn-Leitung hatte angeboten, die Wochenarbeitszeit für zwei Drittel der Belegschaft von gegenwärtig 37,5 auf 35 Stunden zu verringern. Die Gewerkschaft will dagegen die 35- Stunden–Woche für alle, möglichst sogar die Reduzierung auf 32 Stunden.

Bei der aktuellen Kostendebatte im Daimler-Chrysler-Konzern spielt die Arbeitszeit offenbar keine Rolle. Der Betriebsrat ist zwar zu Zugeständnissen bereit, Mehrarbeit über den 35-Stunden-Tarifvertrag hinaus werde es aber nur gegen Bezahlung geben. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert will vor allem die Kosten im größten Pkw-Montagewerk in Sindelfingen senken, dort geht es vor allem um die nächste Generation der C-Klasse, die von 2007 an gebaut werden soll.

Für den Vorstand sind Tarifabschlüsse aus früheren Jahren, wie etwa die so genannte Steinkühler-Pause von fünf Minuten pro Stunde sowie Schichtzuschläge nicht mehr zeitgemäß. In Baden-Württemberg werden von 12 Uhr an Schichtzuschläge von 20 Prozent und von 19 Uhr an von 30 Prozent gezahlt. In Bremen gibt es erst ab 15 Uhr Zuschläge in Höhe von 15 Prozent. Tsp/dpa

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