Wirtschaft : Der Osten kommt: Codon ist auf dem Sprung nach Amerika

Jana Spiess

Ostdeutschland zwischen Euphorie und Pessimismus - Hier Milliardeninvestitionen in der Fahrzeug- und Chipindustrie, dort Massenarbeitslosigkeit und Abwanderung: In den vergangenen Sommerwochen besuchten Tagesspiegel-Redakteure Unternehmen, die den Standort Ostdeutschland wirklich prägen - kleine Mittelständler und börsennotierte Unternehmen. Mit dem Brandenburger Unternehmen Codon endet diese Serie.

Da haben Brandenburger Wissenschaftler eine medizinische Weltneuheit ausgetüftelt - und was passiert? Nichts. Vor den Toren Berlins, von außen völlig unscheinbar, liegt das Biotechnologie-Unternehmen Codon. Die Teltower Firma hat sich mit ihren Arzneimitteln zur Herstellung von Knorpel-, Knochen- und Bandscheiben-Zelltransplantaten aus körpereigenen Zellen einen Namen gemacht. 1993 wurde Codon von den Biochemikern und heutigen Vorständen Olivera Josimovic-Alasevic und Karl-Gerd Fritsch gegründet. Mit Hilfe zweier Mitarbeiter konnte bereits bei Firmengründung mit der Entwicklung und Produktion begonnen werden. Damals war Codon auf weiter Flur das einzige Unternehmen, das ein Produkt aus körpereigenen Zellen gewinnen konnte.

Genau das brachte aber Probleme. Um eine Zulassung für ihre Produkte als Arzneimittel zu bekommen, mussten die Wissenschaftler die vorgeschriebenen Reinheitsbedingungen korrekt erfüllen. Der Grund: Keimbelastetes Material würde im menschlichen Organismus sofort zu einer Infektion führen. Das würde nicht nur die Behandlungskosten enorm erhöhen, sondern könnte schlimmstenfalls sogar zum Tod des Patienten führen.

Codon gelang es, ein bis dahin einmaliges Verfahren zur Herstellung von Zelltransplantaten zu entwickeln. Es garantiert nach Unternehmensangaben absolute Keimfreiheit - was nur wenige Firmen bislang erreicht haben. Da der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen den Anwendungsbereich der Codon-Produkte nach Meinung des Unternehmens aber äußerst missverständlich definiert hat, stehen die Transplantate den Patienten in Deutschland bislang kaum zur Verfügung. "Der Bundesausschuss hat im April 1999 die Arzneimittel als nicht geeignet für den ambulanten Bereich befunden", sagt Firmenmitgründerin Josimovic-Alasevic. "Diesem Umstand schließen wir uns ja auch an", sagt sie. Aber dass darum eine Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen für diese Behandlungsmethode nicht empfohlen wird, sei unverständlich. In der Praxis führt das dazu, dass zwar der chirurgische Eingriff zur Transplantation heute von den Kassen erstattet wird, nicht aber das Codon-Transplantat.

Das Unternehmen hat noch Großes vor.Rund acht Jahre nach der Firmengründung bemüht sich Codon um eine US-Zulassung für das Hauptprodukt Chondrotransplant zur Knorpelzelltransplantationum. Die Aussichten, es ab 2003 auf den amerikanischen Markt zu bringen, stehen nach Unternehmensangaben gut. Ein weiteres Zulassungsverfahren laufe derzeit in Singapur.

Im Februar diesen Jahres ging Codon als erste brandenburgische Biotech-Firma mit ihrer Aktie an den Neuen Markt. Heute, bei einer insgesamt schlechten Stimmung an der Börse, hält sich die Codon-Aktie knapp über dem Ausgabekurs von 15 Euro. Am Mittwochnachmittag notierte das Papier bei 7,99 Euro. Auf ihrer Hauptversammlung im Juli dieses Jahres konnte der Vorstand eine Umsatzsteigerung auf 1,5 Millionen Mark, das sind 48,3 Prozent mehr als im Vorjahr, bekannt geben. Der Jahresfehlbetrag lag bei 4,5 (1999: 5,2) Millionen Mark.

Eine neues Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Herstellung von Herzklappen- und Gefäßtransplantaten aus körpereigenen Zellen. Unterstützt wird Codon dabei vom Deutschen Herzzentrum der Charité. Um eine effiziente medizinische Versorgung der Patienten bei der Durchführung von Zelltransplantationen zu gewährleisten, hat sich mittlerweile eine Interessengruppe gebildet. "Center of Excellence" ist der Name der Organisation in der sich Kliniken und Arztpraxen zusammengeschlossen haben. Dort findet ein intensiver Informationsaustausch zwischen den Ärzten und Codon statt.

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