Wirtschaft : Der Osten war dem Westen voraus Abfalltrennung im Wandel der Zeit

In der DDR setzen die Bemühungen um sogenannte Sekundärrohstoffe vergleichsweise früh ein. Bereits in den sechziger Jahren werden Wertstoffe wieder in den Verwertungskreislauf eingebracht. Das Kombinat Sekundärrohstofferfassung (Sero) sammelt die verwertbaren Abfälle, welche den Bürgern abgekauft werden. Flaschen und Gläser beispielsweise bringen dem Sammler 1985 immerhin 5 Pfennig ein, das Kilogramm Zeitungspapier sogar 30 Pfennig.

Anders in der Bundesrepublik: Hier wächst das Bewusstsein für den Umgang mit dem Abfall erst in den Siebzigern. Betrieb bis dahin jedes Dorf seine eigene Mülldeponie – es waren knapp 50 000 –, wird der Umgang mit dem Müll durch das 1. Abfallgesetz ab 1972 neu geregelt. Die Anzahl der Deponien sinkt. Heute werden in Deutschland für Siedlungsabfälle nur noch 160 Deponien betrieben.

Mitte der achtziger Jahre
erfolgt ein weiterer wichtiger Schritt. Im Juni 1986 wird das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gebildet, zuständig auch für die Belange der Abfallwirtschaft. Hersteller und Vertreiber werden in Sachen Abfall zunehmend in die Pflicht genommen. Sie sollen ihre Produkte nun so gestalten, dass weniger Abfälle entstehen und eine umweltverträgliche Verwertung und Beseitigung des Abfalls ermöglicht wird.

Im Jahre 1991 tritt in Deutschland die Verpackungsverordnung (VerpackV) in Kraft. Dies ist die Geburtsstunde für den Grünen Punkt. In Deutschland und 23 weiteren Staaten der Europäischen Union werden Verpackungen mit diesem geschützten Markenzeichen des Dualen Systems Deutschland (DSD) entsorgt beziehungsweise recycelt. Die Sammelbereitschaft der Bürger wächst.

1994
wird das Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz gültig. Dieses sieht vor, dass Wertstoffe durch Getrenntsammlung, Sortierung und Nutzung wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden. Das zeigt Wirkung.

Im Jahr 2002 lag die Recyclingquote für Altglas bei fast 90 Prozent. Zum Vergleich: Anfang der siebziger Jahre waren es nur sieben Prozent.

Auch bei Papier gibt es im Jahr 2005 eine hohe Rücklaufquote von etwa 79 Prozent. Das heißt, dass 19,2 Millionen Tonnen Papier verbraucht, aber auch 15,1 Millionen Tonnen eingesammelt werden. Bei Verpackungen sind es rund 80 Prozent, die zurückgeführt werden.

Zudem leistet laut Bundesumweltministerium die moderne Abfallwirtschaft einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Denn die Emission treibhausgasrelevanter Schadstoffe ist in diesem Bereich in den vergangenen 15 Jahren um immerhin 30 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Ein wachsendes Problem für den Grünen Punkt sind jedoch die sogenannten Trittbrettfahrer. Diese zahlen keine Lizenzgebühr an das DSD, ihre Verpackungen werden dennoch von den Verbrauchern über die Gelbe Tonne entsorgt. cwa

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