Wirtschaft : Der Pharmamarkt erfreut sich bester Gesundheit

SIEGFRIED HOFMANN (HB)

US-Nachfrage bringt Wachstum und beflügelt die Kurse / Margen im Pharmahandel unter DruckVON SIEGFRIED HOFMANN (HB) DÜSSELDORF/MANNHEIM.Der Weltpharmamarkt befindet sich weiter in äußerst robuster Verfassung.Zwar schrumpften die Apothekenumsätze in den zehn größten Märkten 1997 leicht auf 165 (167) Mrd.Dollar.Bereinigt um Währungseffekte, haben die Arzneimittelausgaben nach Daten der Statistik-Gruppe IMS jedoch um 6 Prozent expandiert.Wie in früheren Jahren hat erneut der US-Markt mit einem Umsatzplus von 10 Prozent auf rund 66 Mrd.Dollar den wichtigsten Wachstumsbeitrag für die Branche geleistet.Die Pharmaerlöse auf den sieben wichtigsten europäischen Märkten legten um 5 Prozent zu.In Deutschland gab es nur ein Plus von 2 Prozent.Besonders schwierig entwickelte sich der japanische Markt, der währungsbereinigt um ein Prozent auf 41,6 Mrd.Dollar schrumpfte.Die starke Nachfrage in ihrem Heimatmarkt hat einigen US-Herstellern zweistellige Umsatz- und Ertragssteigerungen beschert und damit auch zum Höhenflug vieler Pharmaaktien beigetragen.Branchenkenner führen das unvermindert kräftige Wachstum unter anderem auf die Strategie der amerikanischen Krankenversicherer und Gesundheitsorganisation zurück, durch verstärkten Medikamenteneinsatz die höheren Kosten der stationären Krankheitsbehandlung zu vermeiden.Besonders starke Zuwächse (weltweit plus 23 Prozent) verzeichneten Medikamente zur Senkung des Blutfettspiegels.Analysten, etwa die Experten der Investmentbank Lehman Brothers, gehen davon aus, daß auch im laufenden Jahr einer kräftigen Expansion in Nordamerika relativ moderate Steigerungsraten in Europa gegenüberstehen werden.Dies dürfte vor allem das Wachstumspotential der kleineren Pharmahersteller mit starker Abhängigkeit von ihren europäischen Heimatmärkten einschränken.Auch im Pharmagroßhandel bleiben damit die Möglichkeiten, Umsatz und Gewinne zu steigern, eng begrenzt.Umso interessanter erscheint im Pharmahandel daher das Thema Fusionen, mit dem sich derzeit vor allem das genossenschaftliche Lager beschäftigt.Das von Münchner Sanacorp AG reaktivierte Vorhaben, aus den apothekernahen Großhandelsunternehmen einen Konkurrenten zu den Marktführern Gehe AG und Phoenix AG zu schmieden, ist nicht neu.Doch hat der Plan durch die Heirat der britischen Unichem Plc mit der französisch-italienischen Alliance Sante einen neuen Anstoß erhalten.Aus dieser kürzlich besiegelten Verbindung geht mit 14 Mrd.DM Umsatz Europas zweitgrößter Pharmahändler hervor.Sanacorp will da nicht den Anschluß verlieren, und strebt mit der österreichischen Herba-Chemosan AG (bei der man bereits 28,6 Prozent des Kapitals hält) unter eine gemeinsame Holding.Hinter dem ungebrochenen Fusionstrend im Pharmahandel steht nicht nur die Hoffnung auf Synergieeffekte.Eine Rolle spielt auch die Ansicht, daß sich im Pharmageschäft ein echter europäischer Binnenmarkt herausbildet.Eine Entwicklung in diese Richtung, wie sie auch die Industrie nachhaltig fordert, wird laut Branchenkennern durch die Euro-Einführung und die verbundene Preistransparenz möglicherweise beschleunigt.Unbestrittener Vorreiter auf der Konzentrationswelle ist die Stuttgarter Gehe, die in den vergangenen Jahren mit dem Erwerb von OCP in Frankreich sowie der Übernahme von AAH und Lloyds in Großbritannien zum europäischen Marktführer mit inzwischen mehr als 24 Mrd.DM Umsatz avanciert ist.Dem Konzern und seinen Aktionären hat die Expansion eine ebenso stetige Ertrags- wie Wertsteigerung beschert.Die Börsenkapitalisierung der mehrheitlich zum Haniel-Konzern gehörenden Gruppe wuchs von 1992 bis Ende 1996 von 1,9 Mrd.DM auf rund 7 Mrd.DM.Seither mußten sich Gehe-Aktionäre mit Stagnation begnügen.Die Börsianer zaudern wohl auch wegen der künftigen Rahmenbedingungen.Durch Apothekengesetz und Preisspannen-Verordnung ist die Branche hierzulande abgeschottet wie kein anderer Handelssektor.Gesetzesänderungen sind nicht in Sicht.Dennoch regen sich immer wieder Zweifel, ob der Schutzwall keine Löcher erhält.Ein Strukturwandel im Pharmahandel, insbesondere ein Wegfall des Fremd- und Mehrbesitzverbots, würde die Branche vor erhebliche Anpassungsprobleme stellen.Mit einem eigenen Engagement im Versand- oder Einzelhandel würden die Großhändler den Konflikt mit den Stammkunden, den Apotheken, heraufbeschwören.Dazu könnten neue Konkurrenten in den Markt drängen, etwa Drogerieketten.Interesse daran gezeigt hat etwa im vergangenen Jahr die Aldi-Gruppe - mit ihren frei verkäuflichen Medikamenten.

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