Wirtschaft : Der Pleite-Planet

Walt Disneys teurer Weihnachtsfilm ist an den Kinokassen ein Flop / Neue Produktionen sollen jetzt deutlich billiger werden

Bruce Orwall

Der teure Disney-Zeichentrickfilm „Der Schatzplanet“ zieht wenige Zuschauer in die amerikanischen Kinos. Wenn es so weiter geht, könnte der Film der größte finanzielle Misserfolg des Disney-Zeichentrickstudios in der jüngeren Unternehmensgeschichte werden.

Während der fünf Thanksgiving-Ferientage am vergangenen Wochenende spielte der Film schätzungsweise 16,5 Millionen Dollar ein, davon 11,9 Millionen Dollar zwischen Freitag und Sonntag. Damit kam die 140-Millionen-Dollar-Produktion gerade mal auf den vierten Platz. Filme, die schon seit längerer Zeit im Kino sind, liefen dem neuen Streifen eindeutig den Rang ab: Der James-Bond-Film „Die Another Day“ des US-Filmkonzerns Metro-Goldwyn-Mayer war mit 46,3 Millionen Dollar der Publikumsrenner in den Thanksgiving-Ferien. Der neue Harry-Potter-Film – vom Filmstudio Warner Bros und damit der Mediengruppe AOL Time Warner produziert – erreichte 45,8 Millionen Dollar. Und der Disney-Streifen „Santa Claus 2“ spielte an seinem fünften Wochenende 17,2 Millionen ein.

Seit Ende der 80er Jahre, als Disney-Zeichentrickfilme eine Renaissance erlebten, haben alle größeren Disney-Streifen zumindest die Kosten eingespielt. Selbst unbedeutendere Filme wie „Ein Königreich für ein Lama“ oder „Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ haben einen Gewinn abgeworfen. Anders ist es beim „Schatzplanet“. Falls der Film nicht doch noch die Publikumsgunst gewinnt, wird die Produktion wohl das erste Verlustgeschäft von Walt Disney sein. Der Misserfolg des Films ist erstaunlich. Normalerweise laufen Disney-Zeichentrickfilme länger als andere Filme im Kino. Außerdem haben sie zum Jahresende beim Familienpublikum keine Konkurrenz.

Sicher, ein finanzielles Desaster kann verhindert werden: Selbst wenn ein Film in den USA nicht die Kinokassen klingeln lässt, kann er international ein Erfolg werden und großen Absatz als Video finden. Das ändert aber nichts am schwachen Kino-Start in den USA. Erst in zwei Wochen ist mit mehr Publikum zu rechnen – wenn die Schulkinder Ferien haben und ins Kino gehen können.

„Es laufen jetzt viele gute Filme für Familien“, sagt Disney-Studiochef Dick Cook. „Offensichtlich waren wir jenes Wochenende nicht die erste Wahl.“ Positiv an der Sache ist, dass „Der Schatzplanet“ wahrscheinlich der letzte Disney-Zeichentrickfilm ist, der zu exorbitanten Produktionskosten entsteht.

Die nächsten Filme werden voraussichtlich sehr viel billiger sein. Der Grund: In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen Sparmaßnahmen eingeleitet. Auslöser war Ende der 90er Jahre die Disney-Produktion „Tarzan“: Die Produktion kostete 175 Millionen Dollar. Das Disney-Filmstudio sah ein, dass es finanzielle Probleme bekommen würde, wenn es nicht die Kosten erheblich reduzierte. Disney tat einiges zur Eindämmung der Kosten: Das Unternehmen entließ hunderte Angestellte und senkte die Gehälter der verbliebenen Mitarbeiter drastisch.

Gleichzeitig führte der Konzern neue Prozesse zur Effizienzsteigerung ein. So sind die Zeichner der Filme angehalten, zweimal nachzudenken, bevor sie sich bei einem neuen Film für teure Produktionsweisen entscheiden. Vorbild ist der eher simple Disney-Film „Lilo & Stitch“, den das Filmstudio im vergangenen Sommer nach dem viel aufwändigeren „Schatzplanet“ produziert hat. Der Streifen hat nur 80 Millionen Dollar gekostet, aber mehr als 145 Millionen Dollar eingespielt.

Zum Glück kann sich Disney damit trösten, dass „Der Schatzplanet“ nicht der einzige neue Film ist, der am Thanksgiving-Wochenende vom Kinopublikum verschmäht wurde. Der neue George-Clooney-Film „Solaris“ vom 20th-Century-Fox-Filmstudio spielte während der fünf Ferientage zu Thanksgiving nur 9,5 Millionen Dollar ein.

Die Texte wurden übersetzt und gekürzt von Tina Specht (Deutschland), Karen Wientgen (Disney), Matthias Petermann (Europa), Svenja Weidenfeld (Türkei), Christian Frobenius (Tabakwerbung).

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