Wirtschaft : Der Preis der Arbeit ist noch immer zu hoch (Kommentar)

Ursula Weidenfeld

Die Konjunktur in Deutschland nimmt Fahrt auf, doch ein Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Das Vertrauen der Unternehmen in das Wachstum ist nicht stark genug, um schon neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zwar werden in Baden-Württemberg und Bayern Hände ringend Arbeitskräfte gesucht, zwar herrscht in einigen Branchen ein dramatischer Mangel an Ingenieuren, Technikern und Informatikern. Doch im Großen und Ganzen fehlt der Schwung - vor allem in den neuen Ländern und vor allem bei Jobs für gering Qualifizierte. Ein Aufschwung von zwei Prozent reicht in Deutschland nicht für positive Impulse auf dem Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungsschwelle liegt bei etwa drei Prozent. Das hat zwar auch etwas damit zu tun, dass die Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle vereinbart haben. Die erlauben es den Unternehmen und ihren Mitarbeitern, bei guter Auftragslage erst einmal Zeitguthaben anzuhäufen, bevor Stellen geschaffen werden.

Vor allem aber hat es etwas mit dem Preis der Arbeit zu tun. Solange die Hürden zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsmarkt und der Arbeitslosigkeit nicht beseitigt werden, solange wird es auch keine schnellen Reaktionen des Arbeitsmarktes geben, wenn die Konjunktur anzieht. Die Politik könnte eine Menge tun für neue Arbeitsplätze, wenn es ihr gelänge, die Beschäftigungsschwelle zu senken. In anderen Ländern werden schon neue Arbeitsplätze geschaffen, wenn die Wirtschaft gerade einmal um einen Prozentpunkt wächst. In diesen Ländern sind die Übergänge zwischen Teilzeit- und Vollerwerbsarbeitsplätzen fließender, die Lohnnebenkosten sind niedriger, und das Arbeitsrecht ist nicht so restriktiv wie in Deutschland. Wer viele neue Stellen schaffen will, muss an diesen Punkten arbeiten - und nicht weitere ABM-Stellen fordern.

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