Wirtschaft : Der Privatanleger hat das Nachsehen

FRANKFURT (MAIN) (hk/HB).Zum Auftakt einer zweitägigen Investor-Relations-Konferenz in Frankfurt (Main) sind am Montag nicht nur die bekannten Grundsätze einer sinnvollen Kommunikation zwischen Aktiengesellschaft und Aktionär bekräftigt worden.Einige Referenten schlugen auch neue Töne für deutsche Ohren an und forderten dazu auf, auch an den Privatanleger zu denken.

Die "1.Jahreskonferenz Deutscher Investor Relations Kreis" stand zunächst im Zeichen der "erfreulichen Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt", die sich nicht nur auf die Kurse bezieht.Wirtschaftsvertreter stimmten der These des Bonner Justiz-Staatssekretärs Rainer Funke zu: "Wir sind auf dem Weg zu neuen Ufern schon weit fortgeschritten." Die Bundesregierung erhielt bei dieser Gelegenheit viel Lob von Bankern und Unternehmern, weil sie die Bedeutung der Finanzmärkte inzwischen nicht nur erkannt habe, sondern durch einschlägige Fördergesetze auch honoriere.Jetzt komme es dringend darauf an, so ein Appell an Bonn, eine wirkungsvolle Steuerreform zu schaffen.Der Parlamentarische Staatssekretär sagte bei dieser Gelegenheit, die Regierung beschäftige sich heute mehr denn je mit Finanzmarktfragen; schon am 17.Juni werde im Kabinett über die Fortschreibung der entsprechenden Gesetze diskutiert, kündigte Funke an.

"Wir müssen uns daran gewöhnen, daß Finanzmärkte auch eine Marketingveranstaltung sind", sagte Heinz-Jörg Platzek, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank.Bezugnehmend auf das Vorbild Telekom-Aktie, für deren Börseneinführung massiv - nicht zuletzt mit dem Einsatz des Schauspielers Manfred Krug - geworben worden war, sprach sich der Banker ausdrücklich für derartige moderne Techniken des Aktienmarketings aus.

Platzek und andere Referenten räumten aber ein, daß Investor Relations bislang noch weitgehend auf die großen Investoren zugeschnitten seien.Doch müsse man auch an den Privatanleger denken; es sei nicht richtig, wenn einige Unternehmen ihre Informationen insbesondere anläßlich von Analysten-Meetings oder gegenüber institutionellen Anlegern gebündelt präsentierten, hieß es.

Platzek sprach sich zugleich gegen neue Regeln und Gesetze aus, um am Neuen Markt Übertreibungen zu verhindern.Auch hier gehe es in erster Linie um eine bessere Aufklärung gerade der privaten Anleger - und deshalb seien an dieser Stelle vor allem die Anlageberater sowie die Medien gefordert.Die Aktionäre sollten in die Lage versetzt werden, kritischer mit neuen Börsengesellschaften umzugehen.

In einer weiteren Diskussionsrunde rückte Wolfgang Gerke, Professor an der Universität Erlangen, die institutionellen Investoren wegen ihrer Zurückhaltung gegenüber dem Unternehmensmanagement in ein kritisches Licht und forderte deshalb: "Wir brauchen neue Hauptversammlungen." Dafür müßten auch die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden.Denn in Zukunft könne Aktionärsdemokratie auch über Medien wie das Internet und das digitale Fernsehen praktiziert werden.

Einige Spitzenvertreter namhafter Börsenneulinge stellten heraus, daß es bei Investor Relations in einem ersten Schritt um die "Vermarktung der Firma" und als zweite Stufe um das "Management der Erwartungen" gehe, wie etwa Robert J.Koehler, Vorstandsvorsitzender der SGL Carbon, meint.Viele Unternehmen würden jedoch bisher noch die Orientierung an Kundeninteressen vermissen lassen, räumte Herbert Meyer, Vorstandsmitglied Heidelberger Druck, ein.

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