Wirtschaft : Der Protektionismus der Reichen

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Wie regelmäßige Leser dieser Kommentare wissen werden, waren wir beim Thema Entwicklungshilfe noch nie die größten Fans des Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Weltbank. Ganz besonders dann nicht, wenn deren Rezepte aus nichts anderem als Forderungen bestehen, noch mehr Millionen Dollar in die altbekannten Geldlöcher zu werfen. Umso mehr Anlass, einer neuen Studie des IWF und der Weltbank Beifall zu spenden, die einem legitimen Vorwurf der so genannten Dritten Welt Rückhalt gibt.

Es handelt sich um den Protektionismus der Ersten Welt, der genau die Märkte verriegelt, auf denen Dritte-Welt-Länder konkurrenzfähig wären. Zum Beispiel Textilien. Den Ergebnissen des IWF und der Weltbank zufolge bedeutet jeder gesicherte Job in der Textilbranche in der Ersten Welt einen Verlust von 35 Arbeitsplätzen in der Dritten Welt. Das schlägt sich in Ländern, die um den wirtschaftlichen Aufstieg kämpfen, äußerst negativ nieder. Denn die arbeitsaufwändige Textil- und Bekleidungsbranche stellt typischerweise die erste Sprosse auf der wirtschaftlichen Aufstiegsleiter dar.

Auf den Landwirtschaftsmärkten in den entwickelten Ländern ist es sogar noch schlimmer. Afrikanische Landwirte, besagt die Studie, „sind die Baumwollanbauer mit den niedrigsten Kosten weltweit, können aber mit internationalen Konkurrenten nicht mithalten, da diese jährlich 4,8 Milliarden Dollar an Subventionen erhalten". Bei einem geschätzten Anteil von drei Vierteln der Armen der Welt, die in ländlichen Gegenden leben und abhängig von der Landwirtschaft sind, werden die wirklichen Kosten der amerikanischen und europäischen Subventionen von den Ärmsten der Armen getragen. Die protektionistischen Zölle und Einfuhrbeschränkungen der reichen Länder, die Subventionen der Landwirtschaft, Anti-Dumping-Gesetze, Herkunftsbestimmungen, Produktnormen und so weiter stellen unüberwindbare Hürden für Produzenten der Dritten Welt dar. Wie der Chefökonom der Weltbank argumentiert, ginge es den Entwicklungsländern immer noch besser, wenn sie ihre Märkte öffneten, unabhängig davon, was die reichen Länder tun. Aber der Nutzen für uns alle „wäre weit größer, gingen die reichen Länder mit gutem Beispiel voran“.

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