Wirtschaft : Der Rat der Weisen: "Die Rentenreform verschont Ältere"

Herr Professor Rürup[die Kabinettsvorlage zu]

Herr Professor Rürup, die Kabinettsvorlage zur Rentenreform liegt vor. Stimmt die Richtung?

Zweifellos. Denn zum ersten Mal bekommen wir eine echte Strukturreform mit einem Einstieg in ein Mischsystem von gesetzlichem Umlageverfahren und privater, kapitalgedeckter Altersvorsorge.

Werden bei der Rentenreform die Lasten zwischen Jung und Alt gerecht verteilt?

Nicht ganz. Denn alle über 54-jährigen werden beim Ausgleichsfaktor, der von 2011 an das Rentenniveau um 0,3 Prozent im Jahr für die Zugangsrentner schmälert, verschont. Das ist ungerecht, zumal die Privatvorsorge freiwillig erfolgt.

Müsste dann der Ausgleichsfaktor nicht verändert oder ganz abgeschafft werden?

Ich würde eine Veränderung des Ausgleichsfaktors in Richtung mehr Generationengerechtigkeit begrüßen. Denkbar wäre aber auch, die gesamten Konsolidierungslasten über eine Veränderung der Anpassungsformel aufzufangen. Dann würden Zugangs- und Bestandsrentner belastet.

Welcher Bereich muss nach der Rente nun am dringendsten reformiert werden?

Neben dem Gesundheitssystem das Regelwerk der Arbeit. Das Problem dort ist nicht die Lohnhöhe, sondern die Lohnstruktur und eine unzureichende Flexibilität: Die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt, eine stärkere Differenzierung der Löhne gibt es aber nach wie vor nicht. Außerdem sollte es leichter möglich werden, bei Unternehmenskrisen zur Arbeitsplatzsicherung vom geltenden Tariflohn abweichen zu können.

Schadet der Euro dem Arbeitsmarkt?

Nein, im Gegenteil. Realwirtschaftliche Probleme bringt die Euroschwäche nicht - die D-Mark war zeitweise viel schwächer. Gefährlich wären Zweitrundeneffekte. Das heißt höhere Lohnforderungen als Reaktion auf die importierte Inflation.

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