Wirtschaft : Der reichste Chinese geht einkaufen

Der Sany-Konzern übernimmt die deutschen Betonpumpenfirma Putzmeister / Bester Arbeitgeber Chinas.

Finn Mayer-Kuckuk (HB)

Peking - Karl Schlecht, Gründer des deutschen Betonpumpenspezialisten Putzmeister, ist voll des Lobes für den Käufer seiner Firma. Der Chinese Liang Wengen teile „nicht nur unseren Unternehmergeist, sondern auch die Werte von Putzmeister“. Liangs Firma, der Baumaschinenkonzern Sany, betritt damit Neuland: In dieser Größenordnung haben Chinesen noch nie eine gesunde deutsche Traditionsfirma übernommen.

Der 55-jährige Liang gilt als einer der tüchtigsten Unternehmer Chinas. Der Umsatz, zuletzt knapp fünf Milliarden Euro, steigt jedes Jahr um 30 Prozent. Chinas Unternehmer-Magazin „Hurun- Report“ hat Liang als reichsten Einwohner des Landes identifiziert. Sein Privatvermögen wird auf sieben Milliarden Euro taxiert. Selbst die sonst eher kritischen Chinesen gönnen ihm seinen Reichtum, denn Sany gilt als gut geführter Konzern. Einer Umfrage des Jobportals Chinahr.com zufolge belegte Liang im Vorjahr Platz eins der besten Führungskräfte des Landes, die Sany- Gruppe wurde als bester Arbeitgeber ausgezeichnet. Putzmeister aus Aichtal bei Stuttgart erhält damit einen neuen Eigentümer, der für gutes Management steht und auf den größten Baumärkten der Welt tätig ist.

Eine Erfolgsgeschichte wie Sany ist derzeit wohl nur in dem fernöstlichen Wirtschaftswunderland möglich. „Chinas Bauboom trägt erheblich zum Aufbau großer Vermögen bei“, sagt Rupert Hoogewerf von „Hurun“. Seit Beginn der Finanzkrise vor gut drei Jahren hat Peking mehrere Billionen Euro locker gemacht, um die Wirtschaft bei Laune zu halten. Ein großer Teil davon ging in Infrastrukturprojekte. Produkte von Sany waren gefragt wie nie.

Liang gründete die Firma zusammen mit zwei Kollegen 1986 als Anbieter von Schweißdraht, nachdem er sich zuvor erfolglos im Handel mit Schafen und in der Schnapsbrennerei versucht hatte. Heute ist Sany in der Branche für seine preisgünstigen Betonlaster, Bagger und Gabelstapler bekannt. Mittlerweile steht Deutschland im Fokus der Expansion: Sany investiert in Bedburg bei Köln 100 Millionen Euro in eine Endfertigung, um den Marktanteil in Europa auszubauen. Die Übernahme von Putzmeister ist der nächste Meilenstein. Der Betonpumpenspezialist aus Aichtal soll Branchenschätzungen zufolge knapp 500 Millionen Euro gekostet haben.

Darüber hinaus hegt Liang politische Ambitionen und kandidiert als erster Unternehmer Chinas für eine Position im Zentralkomitee des Politbüros der Kommunistischen Partei (KP). Im Herbst wird ein Parteitag darüber entscheiden, ob der Sany-Gründer in die Schaltstelle der Macht rückt. Liang ist seit acht Jahren KP-Mitglied.Finn Mayer-Kuckuk (HB)

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