Wirtschaft : Der Rubel rollt

Dank der Fußball-WM boomt die Wettbranche

Svenja Markert
Ausgespielt. Bwin darf nicht mehr auf den Werder-Bremen- Trikots werben –
Ausgespielt. Bwin darf nicht mehr auf den Werder-Bremen- Trikots werben –Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Noch 53 Tage bis zum Eröffnungsspiel – und dann rollt nicht nur der Ball in Südafrika. Die Sportwettenanbieter rechnen mit satten Umsätzen. „2010 wird das beste Jahr, das wir je hatten“, sagt ein Sprecher von Bwin, dem nach eigenen Angaben weltweit größten Anbieter von Onlinespielen. Von der Weltmeisterschaft erhofft sich Bwin einen 13. Monatsumsatz, also etwa 250 bis 300 Millionen Wetteinsatz extra.

Wie viel Gewinn dem Sportwettenanbieter dabei übrig bleibt, hängt von den Spielergebnissen ab. Vor allem die erste und die zweite Runde sind entscheidend. Meistens setzen die Fans auf die Favoriten. Siegen aber Außenseiter, dann fallen die Gewinne der Wettanbieter besonders hoch aus, da sie nicht so viel ausschütten müssen. Bei der Weltmeisterschaft 2006 hat Bwin rund 300 000 neue Kunden gewonnen, die meisten jedoch haben danach nicht weitergespielt.

Doch auch ohne die Fußball-WM geht es der Branche gut. „Der Markt für Sportwetten ist ganz klar ein Wachstumsmarkt“, sagt der Sprecher von Bwin. So stark wie früher werde man in der Zukunft wahrscheinlich nicht mehr zulegen, aber es gebe durchaus noch Potenzial. Die Schätzungen, wie hoch die Erlöse mit Sportwetten in Deutschland sind, variieren. Laut Bwin machen alle Anbieter zusammen im Jahr zwischen fünf und sieben Milliarden Euro Umsatz. Über 90 Prozent gehen Analysten zufolge an private Anbieter, 30 Prozent davon allein an Bwin.

Anders sieht es bei der Lotto-Sportwette aus: Oddset hat nur einen Marktanteil von zirka fünf Prozent, schätzt Professor Tilman Becker von der Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim. In den letzten Jahren hat Oddset beim Umsatz stark eingebüßt. Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, gibt es doch in Deutschland ein Staatsmonopol beim Glücksspiel. Nach dem Staatsvertrag ist Oddset im Prinzip der einzige legale Anbieter von Sportwetten, private Sportwettengeschäfte und Internetspiele sind verboten. Unklarheiten gibt es noch bei alten DDR-Lizenzen. Auch sind Pferdewetten im Staatsvertrag ausgenommen.

„Die Mehrheit der Wettenden ist überzeugt, dass Onlinespiele legal sind“, sagt Becker. Auch deshalb haben die Onlineanbieter mit Sitz im Ausland trotz des Staatsvertrags in den letzten Jahren bei Kunden und Umsatz stark zugelegt. „Die Privaten haben ein attraktives Wettangebot und bessere Ausschüttungsquoten“, erklärt Becker. Bei Oddset liegt die Quote bei Einzelwetten bei 80 Prozent, private Anbietern wie Bwin, Sportingbet und Partygaming bieten 90 Prozent. „Langfristig ist es keine Möglichkeit, den Markt zu regulieren, indem Internetspiele verboten bleiben“, findet Becker.

Dieses Jahr erwartet Oddset jedoch auch ein sattes Plus – gegen den Trend. „Wir hoffen, dank der Fußball-WM und nicht zuletzt auch dank der Olympischen Winterspiele in Vancouver einen zweistelligen Umsatzzuwachs zu erzielen“, sagt ein Sprecher. Und so freuen sich alle Anbieter wie die Fans auf den 11. Juni. Mit einem großen Unterschied. Für Fans ist es wichtig, wer Weltmeister wird. Für die Unternehmen hat das Finale keine Bedeutung, denn die Extra-Gewinne bleiben etwa gleich. Svenja Markert

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