• Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier/DWA will in Deutschland ein Viertel der insgesamt 5100 Arbeitsplätze streichen

Wirtschaft : Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier/DWA will in Deutschland ein Viertel der insgesamt 5100 Arbeitsplätze streichen

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Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation/DWA wird in den deutschen Werken bis Ende kommenden Jahres voraussichtlich bis zu einem Viertel der rund 5100 Arbeitsplätze abbauen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Das Werk im brandenburgischen Vetschau mit derzeit 140 Mitarbeitern wird möglicherweise geschlossen. "Die Einzelheiten sind noch Gegenstand der Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaften", sagte Konzernsprecher Günter Krug auf Anfrage. "Unser Ziel ist es, sozialverträgliche Lösungen zu finden." Bombardier hat in Deutschland die Deutsche Waggonbau (DWA) und die Talbot-Gruppe in Aachen übernommen. Auch dort seien Stellen bedroht, sagte Krug.

Der Firmensprecher begründete die Maßnahme generell mit Überkapazitäten, unter denen auch die Konkurrenz zu leiden hat. Ausschlaggebend war aber offensichtlich auch das seit Monaten anhaltende Tauziehen um Folgeaufträge der Deutschen Bahn für den neu entwickelten Neigetechnik-ICE, den ICT - obwohl Krug dies nicht bestätigen wollte. Der ICT wird von einem Konsortium aus DWA, Siemens, Duewag und Fiat gebaut, DWA ist Konsortialführer. Die Bahn hat 43 Fahrzeuge geordert und teilweise schon abgenommen, die Option auf 33 weitere aber nun gestrichen. Man sei sich bei den Preisvorstellungen mit dem Konsortium nicht einig geworden, hieß es am Donnerstag bei der Deutschen Bahn. Der Auftrag soll neu ausgeschrieben werden.

Die Arbeitnehmervertreter wurden am Mittwoch abend über die Pläne informiert. Nach Angaben von Jürgen Conrad, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, sind nur die Konzernzentrale und die Signaltechniktochter Faga - beide in Berlin - von den Maßnahmen nicht betroffen. Conrad machte nicht nur die "Hängepartie" bei der Deutschen Bahn für die Schieflage verantwortlich, sondern auch "hausgemachte Probleme." So erweist sich etwa die Gebietsaufteilung innerhalb der Bombardier-Gruppe für die DWA als nachteilig. Anders als früher ist die deutsche Tochtergesellschaft für Deutschland und die osteuropäischen Märkte verantwortlich. "Diese Märkte aber sind schwierig", sagte Conrad. Das Restrukturierungsprogramm wird Thema einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Anfang November sein.

Über die Höhe der Verluste bei DWA gab das Unternehmen keine Auskunft. Es werde nur die konsolidierten Ergebnisse der Bombardier-Transportation-Gruppe veröffentlicht. Sie wies zuletzt einen Umsatz von umgerechnet 3,6 Milliarden Mark und einen einen Gewinn vor Steuern von 185 Millionen Mark aus. DWA hatte noch 1997 bei einem Umsatz von einer Milliarde Mark rund 300 Millionen Mark Gewinn erzielt.

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