Wirtschaft : Der schwache Dollar macht Buffett Angst

Der Milliardär warnt vor einer weltweiten Finanzkrise

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Das Orakel hat wieder gesprochen. Der Börsenguru Warren Buffett, das „Orakel von Omaha“ hat am Samstag seinen jährlichen Brief an die Investoren veröffentlicht und sich darin sehr besorgt über den Kursverfall des Dollar geäußert. Die Kursverluste der USWährung könnten ernsthafte Probleme schaffen, die weit über die Finanzmärkte herausgingen, heißt es in dem Schreiben an die Aktionäre: „Als Amerikaner hoffe ich, dass ein gutes Ende für dieses Problem gefunden wird.“ Worte, die am Montag die Märkte erschüttern könnten.

Buffetts jährlicher Brief an die Investoren gehört zu den am aufmerksamsten beachteten Schriftstücken der amerikanischen Finanzwelt. Denn der Investorenbrief gibt nicht nur Auskunft darüber, wie sich Buffetts eigene Fonds im vergangenen Jahr entwickelt haben. Vor allem steht darin, wie Buffett die Lage der Weltwirtschaft, der amerikanischen Konjunktur und der Märkte einschätzt. Gedanken, die die Börsen bewegen – und schon zu größeren Verwerfungen auf den Finanzmärkten der Welt geführt haben.

Buffetts Gedanken über den schwachen Dollar haben im vergangenen Jahr zu einer vorübergehenden Abkehr der Investoren vom europäischen Markt geführt. Das könnte sich jetzt wiederholen. Seine Spekulationen in Edelmetalle haben in den achtziger und neunziger Jahren die Weltmärkte erschüttert. Als der nach Microsoft-Gründer Bill Gates zweitreichste Mann der Welt auf dem Höhepunkt des Börsenbooms sagte, er halte die meisten amerikanischen Aktien für „Müll“, war er einer der Mitverursacher des Rückgangs an den Börsen. Der 73-jährige gilt unter seinen Anhängern daher als das „Orakel von Omaha".

In den letzten Jahren aber ist sein Einfluss weit über seine Rolle als Investor hinaus gewachsen. Buffett berät Unternehmensführer wie Bill Gates von Microsoft oder Michael Eisner von Disney. Und wenn er ihnen sagt, dass er die Mitarbeiter-Aktienoptionsprogramme für überzogen und falsch hält, dann kann man ziemlich sicher sein, dass kurze Zeit später ganz Amerika über die unsinnigen und falschen Mitarbeiterprogramme diskutiert.

Die Investionsstrategie seiner eigenen Finanzgruppe, der Berkshire Hathaway Inc., will Buffett im laufenden Jahr aber nicht wesentlich ändern. Der fast 43 Milliarden Dollar schwere Investor schreibt, seine Investmentgesellschaft werde auch in Zukunft aggressiv Aktien kaufen, wenn deren Preis deutlich unter dem vergleichbarer Branchenwerte liege. Den Anteil festverzinslicher Wertpapiere will Buffett erst dann wieder erhöhen, wenn die Bonds ähnlich attraktiv seien, wie im Jahr 2002.

Derzeit halten sich Buffett und sein Vice-Chairman Charlie Munger aber noch zurück. Denn es sei nach wie vor schwierig, wirklich attraktive Aktien zu finden, die deutlich unterbewertet seien. Es gebe nur eine kleine Anzahl von Papieren, die die Ansprüche von Berkshire erfüllten und gleichzeitig in ausreichender Zahl zu haben seien, schreibt Buffett. Wichtigste Kriterien für die Aktien seien nach wie vor eine herausragende Stellung des Unternehmens, die Seriosität und das Können der Manager sowie ein interessanter Preis. Wie in den vergangenen Jahren sei es ihm aber auch 2003 nicht gelungen, genügend solcher Aktien zu finden, um alle Mittel der Investmentgesellschaft unterzubringen, bedauert Buffett. dr/uwe

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