Wirtschaft : Der schwäbische Feldherr

Stuttgart - Sonntag 18 Uhr 30 – ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine Pressekonferenz. Aber auch der Anlass ist ungewöhnlich. Auf dem Podium stehen die vier Protagonisten einer Blitzübernahme. Innerhalb von drei Tagen hat die Landesbank Baden-Württemberg die Sachsen LB im Handstreich übernommen. „Wir sind wie ein Kleeblatt“, sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und schaut neben sich. Da stehen Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster sowie der Präsident des Sparkassenverbandes Peter Schneider und als Vierter im Bunde Siegfried Jaschinski.

Es ist der erste wirklich große Tag des LBBW-Chefs, seit er Anfang 2005 auf die Position berufen wurde. Offensiv hat er bei der Bilanzvorstellung für die LBBW eine aktive Rolle bei der Konsolidierung der Landesbankenszene reklamiert. Seit Sonntagabend hat Jaschinski geliefert. Der promovierte Historiker ist es gewohnt, langfristig strategisch zu denken. Er hat aber bei den schwierigen Eigentümerkonstellationen der Landesbanken auch gleichzeitig ein feines Gefühl für das Machbare. Chancen gibt es da nicht ohne Risiken. „Die Risiken sind beherrschbar“, betont der sportliche Bankenchef.

Der vor wenigen Tagen 53 Jahre alt gewordene Bankenmanager wusste sofort um die historische Chance. Die Schwaben waren mal wieder schneller und beweglicher als die anderen. Auch weil das „Kleeblatt“ gut verdrahtet ist. Der gebürtige Leverkusener hat sich gut in der CDU-Connection seiner Eigentümer integriert. Dass die Sparkassen ihn inzwischen den „schwäbischen Feldherrn“ nennen, ist für Jaschinski schon ein Lob. Der Mann, der seine Doktorarbeit über Alexander den Großen schrieb, mag die militärischen Attribute eines Eroberers nicht. Gleichwohl weiß er um die Stärke seiner Position.

Die Sachsen LB war das Gesellenstück, die West LB soll sein Meisterstück als Bankenchef werden. Jaschinski will ein öffentliches Institut auf Augenhöhe der Deutschen Bank. Wie flexibel er agieren kann, hat er jetzt gezeigt. „Es muss gehandelt werden. Wer wenn nicht wir“, sagt er lapidar und geht. mwb (HB)

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