Wirtschaft : Der Siegeszug der Nudel

KATHARINA KORT (Error : Missing or empty parameter

MAILAND .Durchschnittlich 5,4 Kilogramm Nudeln verdrücken die Deutschen im Jahr.Das ist zwar eine stattliche Menge, aber noch längst nicht genug, wenn es nach den Herstellern der beliebten Teigwaren geht.Zum Vergleich: Ein Italiener konsumiert jährlich ganze 28,5 Kilogramm.Um den weltweiten Nudelkonsum zu steigern, haben Pasta-Produzenten aus 40 Ländern vor drei Jahren den "World Pasta Day" ins Leben gerufen.Der dritte Weltnudeltag findet an diesem Wochenende in Neapel statt.Doch die Festlichkeiten beschränken sich nicht nur auf das Heimatland der Pasta, auch andernorts wird die beliebte Speise gefeiert.

In den USA, mit einer Produktion von zwei Millionen Tonnen weltweit immerhin der zweitgrößte Pasta-Hersteller, wird am heutigen Sonntag das beliebteste Nudelgericht gekürt.In Deutschland sind nach Angaben der Organisatoren in den Innenstädten Straßenfeste und Umzüge in Pasta-Kostümen geplant, unter anderem in Berlin, Hamburg und München.In Südamerika will die Pasta-Industrie vor allem mit Aufklärungskampagnen gegen das Vorurteil angehen, Nudeln seien Dickmacher.Selbst in der Türkei wird der Nudeltag in verschiedenen Städten mit Konzerten gefeiert.

Als Produzent bleibt das traditionelle Pasta-Land Italien mit fast drei Millionen Tonnen im vergangenen Jahr weiterhin ungeschlagen.45 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt.Das entspricht knapp 1,3 Millionen Tonnen und einem Wert von rund 1,9 Billionen Lire (rund 1,9 Mrd.DM).Bis zum Jahr 2000 sollen die Ausfuhren mehr als die Hälfte der Produktion ausmachen, so das erklärte Ziel der italienischen Pasta-Industrie.

Und das scheint nicht ganz unrealistisch, denn im Ausland erfreuen sich Spaghetti, Maccaroni und Lasagne wachsender Beliebtheit.Allein in Deutschland ist der Nudelkonsum von 1972 bis 1997 um 51,5 Prozent gestiegen.Auch Hans Winkler, Vertreter der neuen deutschen Küche, sagt der Pasta eine glänzende Zukunft voraus: "In der kreativen Küche, die sich an ein Publikum richtet, das versteht zu leben, wird die Pasta immer häufiger auf dem Speiseplan stehen", so Winkler.

Die Deutschen sind die Hauptabnehmer der italienischen Nudelexporte.14,4 Prozent der Ausfuhren gehen in die Bundesrepublik.Die Pastafirma Barilla mit Sitz in Parma hat innerhalb weniger Jahre einen Marktanteil von 10 Prozent erreicht und ist damit Führer auf dem deutschen Nudelmarkt.Die Deutschen lieben die italienische Küche.Ob beim Italiener nebenan oder in den eigenen vier Wänden, italienisch essen ist in.Und immer mehr Konsumenten verlangen nach original italienischen Produkten.Die Italiener stellen sich darauf ein.Mit Marketingmaßnahmen haben die Pastafirmen vor allem junge und moderne Kunden erreicht, sagen die Unternehmen.Nun wollen sie auch diejenigen für sich gewinnen, die noch an der traditionellen deutschen Küche hängen und der Pasta die Spätzle vorziehen.

Das gestaltet sich nicht immer einfach.Das Familienunternehmen Barilla hat sich dem deutschen Gaumen angepaßt und eine neue Produktlinie entwickelt.Unter dem Namen "Pasta di Parma" verkauft Barilla nun - eigens für den deutschen Markt - Eiernudeln.Die kommen den deutschen Eßgewohnheiten näher als die in Italien üblichen Nudeln aus Hartweizengrieß.Und trotzdem bleibt es original italienische Pasta, was dann auf deutschen Tellern dampft.

Doch nicht nur für die deutschen Konsumenten nehmen die italienischen Nudelfabriken Änderungen an den Produkten vor.Auch die Nudelsaucen für den US-Markt bereiten viele Unternehmen inzwischen nach speziellen Rezepten - und lassen die Verbraucher im festen Glauben, "real Italian Pasta-Sauce" zu genießen.Amerikaner essen nun einmal würziger, so erklären die italienischen Unternehmen die kleinen Manipulationen.

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