Wirtschaft : Der Software-Pionier Plattner geht von Bord

Der SAP-Mitbegründer und Hochseesegler wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats. Der Konzern hat ein schwieriges Jahr vor sich

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Berlin (msh). Auf der Hauptversammlung des SoftwareKonzerns SAP ist am Freitag die Ära der fünf Firmengründer zu Ende gegangen. Mit Hasso Plattner schied der letzte SAP-Pionier aus dem Management des Konzerns aus und wechselte in den Aufsichtsrat. „In den letzten 24 Monaten habe ich gezielt daran gearbeitet, mich entbehrlich zu machen, damit es kein Loch gibt, wenn der letzte Mitgründer die Kommandobrücke verlässt“, sagte Plattner in seiner Abschiedsrede. Alleiniger Vorstandsprecher wird der bisherige Co-Chef Henning Kagermann. Neben seinem Aufsichtsratposten wird Plattner dem Unternehmen aber als Chef-Software-Berater erhalten bleiben. „Ich werde nicht von der Bildfläche verschwinden“, versprach Plattner den 4000 nach Mannheim gereisten Aktionären.

Plattner übergibt die Führung in einer für die Software-Branche schwierigen Zeit. Vorstandssprecher Kagermann sagte, die Tendenz bei den Firmen, die IT-Ausgaben zu senken und nur zurückhaltend in neue Software-Projekte zu investieren, nehme zu: „Die Folge sind kleinere Aufträge und ein äußerst scharfer Konkurrenzdruck mit zunehmendem Preis- und Margendruck.“ SAP ist weltweiter Marktführer für betriebswirtschaftliche Software, mit der Unternehmen Vorgänge wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen oder Kundenmanagement steuern. Der Rückgang dieses Marktes von 23 Prozent im ersten Quartal zeige, dass eine Trendwende noch auf sich warten lasse.

SAP hat im ersten Quartal 2003 den Gewinn vor Steuern um 28 Prozent auf 304 Millionen Euro gesteigert, obwohl der Umsatz um acht Prozent auf 1,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal sank. Verantwortlich für den Umsatzrückgang ist nach den Worten Kagermanns vor allem der schwache Dollar. Ohne Währungseinflüsse sei der Umsatz um ein Prozent gestiegen. Kagermann begründete das gute Ergebnis des Quartals mit dem erfolgreichen Kostenmanagement. Seine Ziele für das laufende Jahr bekräftigte er. Der Umsatz soll 2003 leicht steigen und die Rendite zulegen. Abstriche am Produktprogramm werde es nicht geben.

Mitgründer Plattner hinterlässt seinem Nachfolger einen gut aufgestellten Konzern, der auch in der jetzigen Wirtschaftsflaute noch hoch profitabel arbeitet. Dabei profitiert SAP davon, dass die Firmenkunden nach dem New-Economy-Hype vor allem den großen, bewährten Software-Anbietern vertrauen. „Aus dem Shooting Star der 90er Jahre ist ein Weltklasseunternehmen geworden, das nun in einer Liga mit IBM, Microsoft und Oracle antritt“, sagte Plattner. Im laufenden Jahr werde SAP bei Programmen für das Management von Kundenbeziehungen Marktführer Siebel Systems als Nummer eins ablösen.

Plattner hatte das Unternehmen „Systemanalyse und Programmentwicklung“ (SAP) im Jahr 1972 gemeinsam mit vier Partnern gegründet. Das Team war zuvor beim Computerkonzern IBM beschäftigt, konnte sich dort aber nicht mit seinem Plan durchsetzen, eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware zu entwickeln. Plattner stand seit 1997 an der Spitze des Konzerns, ein Jahr später folgte ihm Kagermann als Co-Chef an die Vorstandsspitze. Plattner führte das Unternehmen in einer rasanten Wachstumsphase. Sein Verdienst war es, den Konzern gerade noch rechtzeitig auf die Bedürfnisse des Internetzeitalters auszurichten. Obwohl Plattner die Bedeutung des Internets – wie er später selbst eingestand – zunächst unterschätzte, trieb er in den Jahren 1999 und 2000 die Entwicklung der neuen Software-Generation MySAP.com konsequent voran und gewann Marktanteile zurück.

Seinen Abgang hat der passionierte Segler nach eigener Aussage von langer Hand vorbereitet. „Was nach Außen wie Amtsmüdigkeit ausgesehen haben mag, war Ausdruck einer klaren Strategie“, sagte Plattner. Im vergangenen Jahr hatte er bereits wichtige Aufgaben wie die Zuständigkeiten für Vertrieb und Entwicklung abgegeben. Zwar wird mit dem Ausscheiden Plattners keiner der Gründer mehr im operativen Geschäft des Unternehmens tätig sein, dafür sitzen mit seinem Vorgänger als Aufsichtsratchef Dietmar Hopp und Klaus Tschira zwei weitere SAP-Gründer in dem Kontrollgremium.

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