Wirtschaft : Der Staat hilft beim Start

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Von Andreas Kunze

Ohne Moos nix los - das gilt besonders für Existenzgründer. Nur mit genügend Geld auf dem Konto lassen sich die notwendigen Investitionen bezahlen. Venture Capital und der schnelle Börsengang kommen dabei nur für wenige, große Vorhaben in Frage; die meisten Starter müssen sich ganz klassisch um Kredite zur Finanzierung bemühen. Zum Glück hilft der Staat beim Start mit einer Vielzahl von Förderprogrammen. Über 100 verschiedene Förderprogramme für Existenzgründer sind in der Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums zu finden. Um bei dieser Vielfalt den Überblick zu behalten, ist es wichtig, drei Typen öffentlicher Förderung zu unterscheiden:

Zuschussprogramme: Sie gewähren eine Beihilfe, die nicht zurückgezahlt werden muss. Das Geld wird dem Unternehmer sozusagen geschenkt.

Öffentliche Kreditprogramme: Zinsvergünstigte Darlehen, die manchmal mit einer Haftungsfreistellung verbunden sind. Die Hausbank wird dann anteilig von der Haftung für die Rückzahlung der Kredite freigestellt, wodurch sich das Kreditrisiko für die Bank reduziert.

Bürgschaftsprogramme: Sie ersetzen fehlende Sicherheiten, die ein Unternehmer in der Regel beizubringen hat, wenn er einen Kredit beantragt. Wie bei der Haftungsfreistellung wird ihm bei der Bürgschaft der Zugang zu den Darlehen erleichtert; er ist aber nicht von seiner Pflicht entbunden, den Kredit zurückzuzahlen. Bürgschaftsbanken gibt es in allen Bundesländern.

Die meisten Förderprogramme müssen über die Bank beantragt werden. „Hausbankprinzip“ nennt sich das und soll dafür sorgen, dass der Gründer vollständig und aus einer Hand informiert wird. „Das ist gut gemeint“, sagt der auf Existenzgründungen spezialisierte Steuerberater Markus A. Pfeifer, Krefeld, „aber manche Hausbanken blocken, wenn sie selber nicht so recht vom Konzept überzeugt sind. Außerdem empfehlen sie nicht selten jene Programme, die für sie selbst interessant sind – wegen guter Vermittlungsgebühren oder geringer Haftung.“

Der Existenzgründer kommt also nicht daran vorbei, neben der Beratung bei seiner Hausbank weitere Informationen einzuholen. Das kann bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK) sein oder aber zum Beispiel bei einem Steuer- oder Unternehmensberater. Für fast alle Förderprogramme wird ohnehin ein externes Gutachten benötigt, das dem Gründungskonzept Hand und Fuß bescheinigt.

Eine Ausnahme vom Hausbankprinzip ist das Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt. Es soll für die ersten sechs Monate der Unternehmertätigkeit den Lebensunterhalt und Versicherungsschutz sicher stellen. Für diese Zeit wird auf Antrag der Betrag gezahlt, den man als Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe erhalten hat oder hätte – plus eines Zuschlags für Sozialversicherungen.

Seit Jahresanfang ist es nicht mehr nötig, dass vorher mindestens vier Wochen bereits Leistungen wie Arbeitslosengeld bezogen wurden; wohl aber muss eine Arbeitslosmeldung erfolgt sein. Das Überbrückungsgeld muss vor der Unternehmensgründung beantragt werden, sonst kann der Anspruch entfallen. Für Investitionen und laufende Kosten reicht das Geld vom Arbeitsamt nicht, dafür ist es auch nicht gedacht.

Handelt es sich um eine Kleingründung, etwa bei einem Handelsvertreter oder einem Kiosk, eignet sich das Startgeldprogramm der DtA, der deutschen Ausgleichsbank. Mit diesem Programm werden Gründungsvorhaben mit einem Projektwert von bis zu 50 000 Euro gefördert. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, die ersten beiden Jahre sind tilgungsfrei.

Neben dem DtA-Startgeldprogramm sind günstige Darlehen vor allem zu bekommen über ERP-Eigenkapitalhilfeprogramm, das ERP-Existenzgründungsprogramm (beide über DtA) sowie das Mittelstandsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit dem ERP-Eigenkapitalhilfeprogramm zum Beispiel können bis zu 25 Prozent der Gründungsinvestitionen abgedeckt werden. Das Darlehen läuft über 20 Jahre, ist zehn Jahre tilgungsfrei - und in den ersten beiden Jahren sogar ohne Zinsbelastung. Das Eigenkapital muss allerdings 15 Prozent betragen.

In den Verlockungen der Förderprogramme sehen Experten allerdings auch Gefahren, insbesondere in den tilgungs- oder sogar zinsfreien Startjahren. „Oft stellt sich im dritten Jahr heraus, ob eine Existenzgründung erfolgreich war“, sagt Berater Pfeifer. „Wenn dann neben Zinsen erstmals Tilgungen fällig werden, fallen manche Unternehmer aus allen Wolken. Es rächt sich dann, wenn die Planung, vor allem die Liquiditätsplanung kurzfristig und unpräzise war.“

Weitere Infos im Internet:

www.bmwi.de , www.dta.de , www.kfw.de , www.investitionsbank.de

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