Wirtschaft : Der Staat profitiert am meisten vom Strompreis

Auf absehbare Zeit bleibt die Kohle der wichtigste Energieträger

Tobias Symanski

Warum ist Strom so teuer?

Fast 40 Prozent des Strompreises kassiert der Staat. Neben der Mehrwertsteuer zahlt der Verbraucher auch Ökosteuer auf jede Kilowattstunde. Gleichzeitig fördert er Solarstrom oder Windenergie über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und bezahlt für den Betrieb von Anlagen mit Kraft-Wärme- Kopplung (Kraftwerke, die neben Wärme auch Strom produzieren). Zusätzlich bitten die Kommunen für die Nutzung ihrer Infrastruktur und die Erlaubnis, Leitungen zu verlegen, zur Kasse (Konzessionsabgaben). Beim Berliner Stromversorger Bewag setzt sich der Strompreis für Privatkunden so zusammen: 24 Prozent Erzeugerkosten, 33 Prozent Kosten für die Netznutzung, 14 Prozent Umsatzsteuer, elf Prozent Ökosteuer, 13 Prozent Konzessionsabgaben an die Stadt Berlin, zwei Prozent KWK und drei Prozent EEG.

Wie kann ich Strom sparen?

Vor allem in der Küche lässt sich viel sparen. Nutzen Sie die Restwärme von Ofen und Herdplatten und schalten Sie früher ab. Kochen Sie bei geschlossenem Deckel. Das verkürzt die Garzeiten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kühlschrank nur so kurz wie nötig geöffnet wird. Stromsparlampen sind zwar etwas teurer, halten dafür aber länger und verbrauchen weniger Energie als herkömmliche Glühbirnen. Lassen Sie das Licht nicht länger brennen, als unbedingt notwendig. Beim Kauf von großen Haushaltsgeräten wie Wasch- und Spülmaschinen auf die Energieeffizienzklasse achten: A und B sind in Ordnung, F und G indiskutabel.

Ist ein Stromregulierer nötig?

Die großen Energiekonzerne sind von der Idee eines unabhängigen Regulierers im deutschen Strommarkt nicht begeistert. Sie meinen, die seit Jahren geltende Verbändevereinbarung in Deutschland gewährleiste den Wettbewerb zur Genüge. In dieser freiwilligen Vereinbarung regeln die rund 1000 Eigentümer derzeit noch die Fremdbenutzung ihrer Netze. Dieses Konstrukt wurde seit jeher bemängelt. Kritiker sehen die Gefahr, dass große Stromproduzenten mit eigenen Netzen kleinere Stromanbieter beim Netzzugang durch zu hohe Kosten oder technische Hürden behindern. Die EU ist ebenfalls dieser Meinung. Sie will Stromnetze und Produzenten voneinander trennen und hat Deutschland dazu verpflichtet, ab dem 1. Juli 2004 eine Regulierungsbehörde einzurichten. Sie soll die Durchleitungsgebühren überwachen und einen ungehinderten Zugang gewährleisten.

Wann schließt das letzte AKW?

2020 wird es wohl vorbei sein mit der Kernenergie in Deutschland. Das ist die Folge des im Jahr 2001 verabschiedeten „Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung“. Es schreibt eine Reststrommenge für die 19 deutschen Kernkraftwerke fest. Weil die Energieversorger die Möglichkeit erhalten, unter den Kernkraftwerken Reststrommengen zu verteilen, ist das endgültige Auslaufen eines bestimmten Atomreaktors aber nicht genau bestimmbar. Ob das letzte Wort zum vollständigen Atom-Ausstieg wirklich schon gesprochen ist, hängt auch von der nächsten Bundestagswahl ab. Sollte die Union die nächste Regierung stellen, steht die schrittweise Abschaltung der Atom-Meiler wieder zur Disposition.

Brauchen wir die Kohle?

Auf Grund des wachsenden Energiebedarfs steigt die Nachfrage nach Kohle weltweit an. Deswegen wird sie bei der Weltstromerzeugung mit einem Anteil von rund 40 Prozent noch längere Zeit der Energieträger Nummer eins bleiben. Im Jahr 2002 wurden 29 Prozent des Stroms aus Braunkohle und 22 Prozent aus Steinkohle gewonnen. Während die deutsche Braunkohleförderung im weltweiten Wettbewerb mithalten kann, macht der Steinkohleabbau (Untertage-Förderung) in Deutschland wirtschaftlich eigentlich keinen Sinn. Der Abbau ist so kostenintensiv, dass der schwarze Rohstoff aus heimischen Gruben fast viermal teurer ist als Importkohle. Trotzdem wird der Zweig seit Jahrzehnten durch Subventionen am Leben erhalten. 2003 fließen voraussichtlich 3,3 Milliarden Euro an Beihilfen. Jeder der 44000 Arbeitsplätze im Bergbau an Ruhr und Saar kostet den Steuerzahler so rein rechnerisch pro Jahr rund 80 000 Euro.

Was bringt Emissionshandel?

Emissionsrechte erlauben bestimmten Industrieunternehmen, die Umwelt bis zu einer vorgegebenen Obergrenze kostenlos zu verschmutzen. Mit diesem Instrument soll der Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase, vor allem Kohlendioxid (CO2), gesteuert werden. Dazu will die Europäische Union ab 2005 den Emissionsrechtehandel einführen. Investiert ein Unternehmen in die CO2-Reduzierung und bleibt unterhalb seiner Ausstoß-Obergrenze, kann es überschüssige Emissionszertifikate an Betriebe verkaufen, die mehr CO2 als geplant in die Atmosphäre abgeben. Dieser Handel dient am Ende dem Ziel, den Unternehmen Investitionen in klimafreundliche Anlagen schmackhafter zu machen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

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