Wirtschaft : Der Staat wird wieder beliebter Umfrage: Auch Beamte verbessern ihr Ansehen

Julia Rotenberger

Berlin - Das Image der Alltagshelden hat sich nicht geändert – noch immer stehen Feuerwehrmann, Pfleger und Arzt an der Spitze der angesehensten Berufe in Deutschland. Doch bei der aktuellen Umfrage hat sich eine Berufsgruppe verbessert, die bei vielen Bürgern unbeliebt ist: Beamte. Im Berufe-Ranking liegen sie auf Platz 21, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes ergab, und damit vier Plätze höher als noch vor sechs Jahren.

Knapp 3000 Personen wurden gefragt, wie sie den öffentlichen Dienst wahrnehmen. 40 Prozent der Befragten, die nicht im öffentlichen Dienst tätig sind, bescheinigten der Berufsgruppe ein hohes Ansehen – vier Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir reiten auf der Erfolgswelle der Krisenbewältigung“, kommentierte Klaus Dauderstädt, Chef des Beamtenbundes, am Montag die Ergebnisse. Dass Deutschland die Wirtschaftskrise gemeistert habe, liege nicht nur an der starken Industrie, sondern auch den funktionierenden öffentlichen Strukturen.

Dennoch: Die Mehrheit der Bürger empfindet die Bürokratie nach wie vor als lästig – allerdings nicht mehr so stark wie noch vor fünf Jahren. Damals fanden noch 76 Prozent der Befragten den Verwaltungsapparat zu aufgebläht, träge und teuer, heute sind das „nur“ noch 68 Prozent. Zugleich sind 67 Prozent der Meinung, die Verwaltung sei heute bürgerfreundlicher – immerhin vier Prozent mehr als vor fünf Jahren. Außerdem schreiben die Befragten den Beamten zunehmend positive Eigenschaften zu. 68 Prozent empfinden die Staatsbediensteten als kompetent, das sind neun Prozent mehr als vor fünf Jahren. Dass sie hilfsbereit sind, finden 65 Prozent und damit acht Prozent mehr als 2009.

Über einen kurzen Zeitraum betrachtet, haben die Beamten allerdings in den Augen der Bürger auch an negativen Eigenschaften gewonnen. Dass sie arrogant sind, finden heute drei Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Auch der Anteil der Bürger, die die Beamten für stur halten, hat gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent zugenommen, auf insgesamt 46 Prozent. Dass die Behörden und ihre Mitarbeiter ganz und gar überflüssig sind, finden dagegen nur 16 Prozent.

Den meisten Befragten ist ein starker Staat mit seinen Institutionen seit der Wirtschaftskrise wichtiger geworden. Lediglich 13 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Wirtschaft weniger Staat brauche. 2007 waren es noch 17 Prozent. „Die Privatisierungseuphorie ist nicht mehr vorhanden, weil viele schlechte Erfahrungen damit gemacht haben“, sagt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner. Am Wohnungsmarkt zum Beispiel finden 38 Prozent der Befragten, dass die Leistungen nach den Privatisierungen schlechter seien. Bei der Telekommunikation und Paketdiensten dagegen nimmt die Mehrheit der Befragten Verbesserungen wahr.

Über alle Branchen hinweg finden die Befragten die Leistungen der Privatwirtschaft teurer im Vergleich zu denen von Unternehmen in öffentlicher Hand. 24 Prozent wünschen, Privatunternehmen zurück in die öffentliche Hand zu überführen, das sind fünf Prozent mehr als 2007. Julia Rotenberger

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