Wirtschaft : „Der Streit eskaliert“

Die ungelöste Nachfolge Josef Ackermanns führt zum Zerwürfnis mit dem Aufsichtsratschef

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Große Gesten, kleine Wirkung. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig (links), agiert glücklos. Offenbar macht ihn Vorstandschef Josef Ackermann zumindest mitverantwortlich dafür, dass der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber nicht zur Deutschen Bank kam. Foto: dpa
Große Gesten, kleine Wirkung. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig (links), agiert glücklos. Offenbar...Foto: dpa

Berlin - Es geht rund bei den feinen Herren. Von „zwei Gruppen, die sich richtig bekämpfen“, ist die Rede bei der Deutschen Bank. Die Gruppenführer sind prominent: Auf der einen Seite der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig, auf der anderen der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann. Der Aufsichtsrat beruft den Vorstand, und deshalb ist formal Börsig der Mächtigere. Doch „Ackermann hat die besseren Truppen“, wie es in Bankkreisen heißt. Unter anderem sei Börsigs Verhältnis zu allen Vorstandsmitgliedern inzwischen „erheblich eingetrübt“. Und auch im Aufsichtsrat selbst sei man keineswegs angetan vom Chef des Gremiums.

Im Kern des Konflikts steht die Frage der Ackermann-Nachfolge, beziehungsweise wer über die Nachfolge entscheidet. Das ist eigentlich Börsigs Job und nach dem Aktiengesetz auch sein Recht. Doch die Zweifel an seinen Möglichkeiten sind in den vergangenen Tagen größer geworden. Ackermann macht Börsig verantwortlich für die Absage Axel Webers. Der frühere Bundesbankpräsident hatte Ende vergangener Woche seinen Wechsel zur schweizerischen UBS bekannt gegeben. Dabei hatte zumindest Ackermann ihn in Betracht gezogen für die Spitze der Deutschen Bank. „Durch die Absage Webers ist der Druck groß geworden“, heißt es nun in Bankkreisen. Vor allem Börsig stehe unter Dampf und führe in diesen Tagen alle möglichen Gespräche mit Aufsichtsräten und Vorständen, um so bald wie mögliche einen Kandidaten für die Spitze präsentieren zu können. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist Ende Juli, aber „wir glauben, dass vorher noch etwas passiert“, sagt ein Aufsichtsrat. „Der Streit eskaliert und beginnt Schaden anzurichten.“

Börsig löste vor gut fünf Jahren Rolf- Ernst Breuer an der Spitze des Aufsichtsrats ab, weil dieser wegen des Rechtsstreits mit Leo Kirch abtreten musste; Breuer hatte in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit in Zweifel gezogen, Kirch ging pleite und verklagte die Bank. Börsig rückte aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat, als Abfindung für seinen Vorstandsvertrag bekam er knapp 15 Millionen Euro.

Spätestens 2009 gab es erste Zweifel an Börsig, als er vergeblich einen Nachfolger für Ackermann suchte und sich dann selbst auf die Kandidatenliste setzte. Eigentlich wollte Ackermann 2010 aufhören, doch dann verlängerte er bis 2013.

Das Image des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank bekam vor sechs Wochen einen weiteren Schlag. Börsig musste in München vor Gericht in der Sache Kirch gegen Breuer/Deutsche Bank aussagen und machte mit einem schnöseligen Auftritt Schlagzeilen. Der Bankmanager, der auch noch in den Aufsichtsräten von Daimler, Lufthansa, Bayer und Linde sitzt, kannte seine Postleitzahl nicht, pöbelte eigene Mitarbeiter an und fand es überaus unpassend, als wichtige und viel beschäftigte Führungskraft der deutschen Wirtschaft Zeit vor Gericht verbringen zu müssen. „Der Auftritt von Börsig hat die Sache nicht einfacher gemacht“, heißt es in der Bank.

Mit der „Sache“ ist die Lösung des doppelten Personalproblems gemeint: Wer kommt nach Ackermann, und wie wird man Börsig los? Elegant wäre der Wechsel Ackermanns in den Aufsichtsrat und dann eben auch an die Aufsichtsratsspitze. Dem stehen Börsig im Weg und auch der deutsche Kodex für gute Unternehmensführung, wonach zwei Jahre vergehen sollten, bevor ein ehemaliges Vorstandsmitglied in den Aufsichtsrat wechselt. Vermutlich wird das Problem vertagt, und Börsig kommt in Kürze mit einem Ackermann-Nachfolgekandidaten auf den Markt. Ex-Bundesbanker Weber war der einzige Externe, der bislang gehandelt wurde. Naheliegend ist nun eine interne Lösung, also ein Vorstandskollege von Ackermann.

Auf dem Papier ist Anshu Jain Favorit. Der Inder, Jahrgang 1963, verantwortet das Investmentbanking und damit den mit Abstand profitabelsten Bereich der Deutschen Bank. Allerdings hält sich Jain überwiegend in London auf, er spricht kaum Deutsch und hat nur rudimentäre Kontakte in die Politik. Dass Jain zusammen mit dem Finanzminister ein Hilfspaket deutscher Banken für Griechenland vorstellt, ist unwahrscheinlich.

Rainer Neske, Jahrgang 1964, verantwortet das klassische Filialgeschäft, inzwischen inklusive Postbank und Berliner Bank, und macht einen guten Job. Aber er gilt als zu jung, um schon ganz nach vorne zu kommen. Zu alt dagegen sind Jürgen Fitschen, verantwortlich für das Regionalmanagement, und Hermann-Josef Lamberti (IT-Vorstand). Finanzvorstand Stefan Krause „hat sich unmöglich gemacht“, wie es im Aufsichtsrat heißt, weil Fotos von ihm mit einer jungen Frau auf den Knien kursierten. Bleibt Hugo Bänziger, Jahrgang 1956, Risikovorstand der Bank und wie Ackermann ein Schweizer. Das Problem: Börsig hält nichts von Bänziger.

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