Wirtschaft : Der Streit um den Kurs des Internationalen Währungsfonds bleibt (Kommentar)

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Der Erfolg von Caio Koch-Weser bleibt zwiespältig. Auf den ersten Blick wirkt das Abstimmungsergebnis von 43 Prozent für den IWF-Kandidaten hervorragend: Seine beiden Mitbewerber hat er abgehängt. Eine Kampfabstimmung würde ihm wohl zum Erfolg verhelfen. Aber beim IWF ist vieles anders. In einer Institution mit Sitz in Washington, deren größter finanzieller Beitragszahler die Vereinigten Staaten sind, kann gegen die USA niemand Präsident werden. Der Konflikt wird noch lange währen - so lange, bis unabhängig von Mehrheiten ein Konsens der Staatengemeinschaft gefunden ist. Immer deutlicher wird dabei, dass es zwischen den USA und Europa um mehr geht als nur um die Frage der Qualifikation. In Frage steht die künftige Ausrichtung des IWF. Die USA wünschen sich, dass der Fonds die Zahlungsbilanzen der Krisenländer rasch wieder in Ordnung kommen. In der Vergangenheit haben die Auflagen des IWF die Bevölkerung hart getroffen, etwa in Indonesien, und waren deshalb bei vielen Entwicklungspolitikern umstritten. Die USA befürchten jetzt, dass Koch-Weser an der Spitze des IWF die harte liberale Politik aufweichen und mehr soziale und entwicklungspolitische Rücksicht nehmen könnte. Sie stoßen sich in Wirklichkeit weniger an der Qualifikation des europäischen Kandidaten als vielmehr an seiner Ausrichtung. Das sollten sie offen sagen. Und die Europäer sollten sich überlegen, welche Rolle aus ihrer Sicht der Fonds spielen soll.

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