Wirtschaft : Der Strom hat seinen Preis

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Von Dieter Fockenbrock

Die Preise für Strom steigen und steigen. So hatten wir uns die Liberalisierung des Marktes eigentlich nicht vorgestellt. Waren nicht vor fünf Jahren die alten Strommonopole abgeschafft worden in der Hoffnung auf Wettbewerb um Kunden und vor allem in der Hoffnung auf sinkende Preise? Hatte das AllerweltsProdukt Strom nicht plötzlich einen Namen, ja sogar eine Farbe bekommen – zum Wohle des (endlich umworbenen) Verbrauchers? Jetzt also sind wir auf dem besten Wege, das Strompreisniveau der guten alten Monopolzeit zu toppen.

Für die Energiewirtschaft liegt der Fall klar auf der Hand. Der Staat treibt die Strompreise. Immer wieder rechnet die Branche genüsslich vor: Ökosteuer, Förderabgaben für regenerative Energien und für die umweltfreundliche Wärme-Kraft-Kopplung, obendrauf noch Mehrwertsteuer und die Konzessionsabgaben der Städte und Gemeinden. Summa summarum werden das in diesem Jahr stolze 12,6 Milliarden Euro sein, die der Staat via Stromrechnung bei Privatkunden und Gewerbe einsammelt. Zum Vergleich: Noch vor vier Jahren herrschte Bescheidenheit, denn die staatlichen Lasten erreichten gerade mal ein Viertel dieses Betrages. Die Stromversorger fühlen sich für das Inkasso des Staates missbraucht, weil mehr als 40 Prozent ihrer Rechnungsposten auf das Konto Abgaben entfallen.

So jammern die Firmen zu Recht. Doch sie selbst kassieren auch allzu gerne ab. Die positiven Effekte der Marktöffnung sind praktisch verpufft. Und zwar nicht allein wegen der stetig wachsenden Abgabenlast des Staates, sondern weil die Unternehmen offenbar keine Lust auf Wettbewerb haben. Bis die freie Netzdurchleitung in Gang kam, war vielen Kunden bereits der Spaß am Wechsel vergangen – es lohnte sich auch schon nicht mehr. Dass es erst so wenige Verbraucher gibt, die sich einen neuen Lieferanten gesucht haben, ist weniger auf die Trägheit der Kunden zurückzuführen als vielmehr auf die mangelhafte Attraktivität der Angebote. Jetzt sollen die Strompreise sogar wieder aus Kostengründen steigen – Argumente wie in alten Monopolzeiten. Als wenn die Liberalisierung gar nicht stattgefunden hätte.

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