Wirtschaft : Der Tagesspiegel

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Die Aufbruchstimmung war groß. Doch mit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes zog auch in der Internet-Branche Ernüchterung ein. Dennoch: Es gibt auch Erfolgsstorys.

Ebay

Das Online-Auktionshaus ist das Paradebeispiel des erfolgreichen New-Economy-Unternehmens. Schon seit Jahren macht Ebay mit seinem „virtuellen Flohmarkt“ satte Gewinne. Das Erfolgsrezept: Ebay-Chefin Meg Whitman führte schon früh Gebühren für ihre Dienste ein und setzte nicht allein auf Online-Werbung. Dabei kam dem Auktionshaus zugute, dass es einen entsprechenden Service in der Offline-Welt nicht gab. Das Internet bietet mehr Möglichkeiten als lokale Kleinanzeigen-Blätter, und das Auktionsverfahren entlastet den Anbieter von der Mühe, einen angemessenen Preis für sein gebrauchtes Produkt zu finden. Zweiter Erfolgsfaktor war Ebays Schnelligkeit. Das Unternehmen kaufte aggressiv regionale Anbieter auf. Damit erreichte Ebay schnell sehr viele Kunden, was den Service attraktiver machte. Seit einem Jahr gibt es auch einen Handel zu Festpreisen. Ebay hat 46,1 Millionen registrierte Mitglieder, davon 6,5 Millionen in Deutschland. Im ersten Quartal 2002 machte E-Bay weltweit einen Nettogewinn von 47,6 Millionen Dollar bei 245 Millionen Dollar Umsatz. msh/tia

Poster.de

Wer einen speziellen Kunstdruck sucht, oder ein Poster seines Lieblings-Popstars, kann bei Poster.de fündig werden. Dort hat man die Wahl unter 30 000 Artikeln. Seit 1998 schreibt das Münchener Unternehmen schwarze Zahlen, sagt Geschäftsführer Jörg Domesle. Entscheidend für das Überleben von Poster.de seien drei Punkte gewesen: „Technik, großes Sortiment, Kundenservice." Die Kunden seines Unternehmens seien vor allem an Liefertreue und an der Einhaltung der Lieferfristen interessiert. Poster.de halte in 98,5 Prozent der Fälle die Lieferfrist ein. Das ist für einen Online-Handel ziemlich gut. 4000 Titel hat das Unternehmen in seiner 1500-Quadratmeter-Halle auf Lager, sie sind innerhalb von 24 Stunden versandfertig. Bei den übrigen Artikeln dauert der Versand dann allerdings drei bis acht Tage. tia

AutoScout 24

AutoScout 24 ist ein „Dienstleistungsportal für Konsumenten, Händler und Hersteller rund um das Thema Auto". Im April 1998 waren es drei Gründer, die in dem Münchner Unternehmen arbeiteten. Heute beschäftigt AutoScout24 rund 160 Mitarbeiter. Die Online-Datenbanken des Unternehmens beinhalten 3000 Neuwagen und 500 000 Gebrauchtfahrzeuge. Vier von fünf Autos werden von normalen Autohändlern angeboten, für die das Dienstleistungsportal ein zusätzlicher Vertriebskanal ist. Die Händlerbörse führt 8500 deutsche und weitere 6500 europäische Händler. AutoScout24 hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr in Deutschland die Gewinnschwelle erreicht, das internationale Geschäft soll auch profitabel werden. Veröffentlicht wird allerdings nur die Umsatzzahl. Die betrug im vergangenen Jahr für die Gesamtgruppe 50 Millionen Euro. tia

United Internet

Auch Internetzugangsprovider können gutes Geld verdienen, zeigt die United Internet AG. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf schnelle Webzugänge per DSL, die es im Auftrag der Deutschen Telekom vertreibt. Zweites Standbein sind Internetdienstleistungen für mittelständische Firmen. Die Produktpalette umfasst die Realisierung von Internetauftritten, die Eintragung von Webadressen oder die Übernahme von IT-Leistungen für Firmen. Fast jede zweite deutsche Domain wird von einer United-Internet-Marke registriert. Zur Markenfamilie gehört auch der E-Mail-Anbieter GMX. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete United Internet einen Umsatz von 230,7 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es über 300 Millionen Euro sein. Im ersten Quartal 2002 betrug der Gewinn vor Steuern und Zinsen 8,1 Millionen Euro. hin

Antwerpes AG

Arg gebeutelt von der Krise der New Economy sind die Webagenturen, die ihr Geld vor allem mit der Realisierung von Internetauftritten verdienen. Kabel New Media ging spektakulär Pleite, Pixelpark überlebt nur dank seines spendablen Mehrheitsgesellschafters Bertelsmann. Ihr Fehler war vor allem ein ungezügeltes Wachstum. Der Aufbau neuer Standorte und der planlose Zukauf von Firmen verursachte hohe Kosten, die nach dem Wegbrechen der Aufträge nicht zu decken waren. Anders bei der Antwerpes AG. „Auch in Boomzeiten sind wir nur moderat gewachsen“, sagt Vorstand Frank Antwerpes. „Das zahlt sich jetzt aus. Wir mussten keine größeren Kapazitäten abbauen.“ Der Lohn: 2001 brachte einen Vorsteuergewinn 0,84 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2002 machte Antwerpes 3,2 Millionen Euro Umsatz. hin/msh

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