Wirtschaft : Der Tagesspiegel

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Kojak nennen ihn die Fußballer, natürlich nur, wenn er nicht in der Nähe ist. Der Deutsche Fußball-Bund brachte es vor einem Länderspiel schon einmal fertig, Collina als Gastgeschenk einen Fön zu überreichen. Der Mann spricht vier Sprachen und kann so böse gucken: „Ich erschrecke mich manchmal selbst, wenn ich mich im Fernsehen sehe“, sagt der italienische Schiedsrichter Pierluigi Collina, der das Endspiel am Sonntag um 13 Uhr zwischen Deutschland und Brasilien pfeifen wird. Als Linienrichter wurden der Schwede Leif Lindberg und der Engländer Philip Sharp benannt. Der 42-jährige Collina gilt als einer der besten Schiedsrichter der Welt. Der zweifache Familienvater hat in der Regel alles und alle im Griff. Collina ist Kult. Und populär wie ein TV-Star. Der kahlköpfige Mann ist viermaliger „Weltschiedsrichter des Jahres“. Speziell die Deutschen machten mit dem Finanzberater aus Viareggio nicht immer die besten Erfahrungen. Er pfiff beispielsweise im vergangenen September das WM-Qualifikationsspiels zwischen Deutschland und England, das in München in einem 1:5-Debakel endete. Denkwürdige Spiele mit deutschen Mannschaften sind offenbar das Schicksal des Italieners: Im Mai 1999 in Barcelona ließ Collina, dem wegen einer Stoffwechselkrankheit keine Haare mehr wachsen, die Uhr beim Finale in der Champions League so lange laufen, dass Manchester United nach Ablauf von 90 Minuten noch zu zwei Treffern gegen Bayern München kam. Kritik an Collina wird eher selten geübt. In Italien jedenfalls könnte die Nominierung Collinas als kleine Entschädigung für das Ausscheiden der Squadra Azzurra angesehen werden. Die Italiener waren bekanntlich nicht nur am eigenen Unvermögen, sondern auch an strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen gescheitert. Foto: Reuters

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