Wirtschaft : Der Telefonriese schlägt zurück

CORINNA VISSER

BERLIN .Im vergangenen Jahr hatte Telekom-Chef Ron Sommer immer wieder betont, daß die Telekom nicht zum billigen Jakob unter den Telefongesellschaften werden wolle.Doch es scheint, der Ex-Monopolist hat seine Strategie geändert.Mit Kampfpreisen - so nennen es die Wettbewerber - will die Telekom nun verlorene Marktanteile zurückerobern.Wenn die Regulierungsbehörde zustimmt, kosten Ferngespräche ab April bei der Telekom nach 21 Uhr nur noch 6 Pfennig.Bei den derzeit geltenden Preisen wäre sie damit tatsächlich der billige Jakob - ein Titel, um den sich außerdem und vor allen anderen das Schleswiger Unternehmen Mobilcom (siehe Seite 20) bewirbt.

Allerdings, viel Luft ist nicht mehr drin."Die Margen in dem Geschäft waren ursprünglich sehr hoch", sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM).Weil die Preise 1998 aber um rund 70 Prozent gefallen sind, seien sie nun "arg geschrumpft".Für einige Unternehmen könne es daher eng werden.

Es seien jetzt Dumpingpreise, mit denen die Telekom versuche, ihre Wettbewerber aus dem Markt zu drängen.Gleichzeitig versuche sie über höhere Interconnection-Gebühren und überzogene Teilnehmeranschlußmieten die Kosten der Wettbewerber in die Höhe zu treiben und diese so zu zwingen, in eigene Netze zu investieren, was zusätzliche Kosten verursache."Die Telekom betreibt eine Abschottungspolitik und versteht ihre Wettbewerber immer noch nicht als ihre Kunden", beklagt sich Grützner.Auch für den Telefonriesen sei es effektiver, durch niedrige Interconnection-Gebühren mehr Verkehr auf die eigenen Leitungen zu ziehen."Damit macht British Telecom ihr Geschäft", sagt Grützner.Mit der besseren Auslastung sei die Telekom dann wiederum in der Lage auch ihren Endkunden günstigere Preise zu bieten.

Nach dem Regierungswechsel bekam der Ex-Monopolist Rückenwind von Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos).Er kündigte an, er wolle die Regulierungspolitik überprüfen.Investitionen in Kommunikationswege in Milliardenhöhe könnten durch den Preiswettbewerb entwertet werden.Auch die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) warnte, der "völlig irrsinnige Preiskrieg und Unterbietungswettbewerb" auf dem Telefonmarkt gefährde Arbeitsplätze in der Branche, anstatt neue zu schaffen.Wer hohe Qualität und Innovation wolle, müsse auch entsprechende Preise zahlen, betonte DPG-Chef Kurt van Haaren.

Dem widerspricht Grützner vehement: "Das Gegenteil ist der Fall: Im Telekommunikationsbereich enstehen mehr Arbeitsplätze als wegfallen und der Preisdruck fördert die Innovationen." Die Preise für Telekommunikationstechnik fielen jedes Jahr um 30 bis 40 Prozent.Man dürfe nicht länger in Abschreibungszeiträumen denken, sondern man müsse sich nach vorne orientieren.Der Preisverfall mache den Markteintritt für junge innovative Unternehmen immer einfacher.Überzogene Preise für die Teilnehmeranschlußmiete und Interconnectiongebühr würden aber dazu führen, "daß die Unternehmen nicht in neue Technologie investieren, weil sie günstig ist, sondern weil die Regulierung es nicht schafft vorhandene Potentiale effektiv zu nutzen." Den Preis für die fehlgeleiteten Investitionen müßten schließlich die Endverbraucher bezahlen.

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