Wirtschaft : "Der Teufel steckt im Detail" - Gerling-Experte skeptisch

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Klaus Wagner, von Gerling Consulting gehört zur Jahr-2000-Task-Force beim Wirtschaftsminister. Mit ihm sprach Karin Birk.

Seit mehreren Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Jahr-2000-Problem, freuen Sie sich auf Silvester?

Dieses Jahr wird es natürlich besonders spannend. Es wird sich zeigen, ob alle unsere Bemühungen für die Umstellung von Computern tatsächlich von Erfolg gekrönt sind. Ich selbst werde mit meinen Mitarbeitern vom 31. Dezember bis zum 3. Januar in Wechselschicht im Informationszentrum von Gerling in Köln sitzen. Dort werden wir genau die Entwicklung in den verschiedenen Zeitzonen verfolgen und unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen, falls doch etwas passieren sollte.

Rechnen Sie denn mit Zwischenfällen?

Der Teufel steckt im Detail. Störungen lassen sich nicht ganz vermeiden. Das zeigt ein Beispiel der Stadtverwaltung München. Dort hieß es noch im Oktober, alle Systeme seien getestet und in Ordnung. Doch vor kurzem trat bei einem EDV-Programm ein Fehler auf: Das Datum 11. 1. 2000 wurde fälschlicherweise auf das Datum 11. 1.1900 gestellt. Das EDV-System berechnete daraufhin für fast 100 Jahre Säumniszuschläge und verschickte 426 falsche Mahnungen mit Beträgen bis zu 60 000 Mark.

Müssen Versicherungen im kommenden Jahr eine große Schadenswelle befürchten?

Von einer Welle würde ich nicht sprechen. Aber die Zahl der tatsächlichen und vermeintlichen Schäden wird höher ausfallen als 1999. Die Haftpflichtversicherer werden von den Schäden stärker betroffen sein als andere Versicherungssparten. Denn kommt es etwa wegen fehlerhafter Software bei einem Dritten zu Schäden, dann wird der Softwarehersteller in Regress genommen. Ein Fall für dessen Haftpflicht also.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat jüngst Entwarnung in Sachen Jahr-2000-Problem gegeben. Sehen sie das genauso?

Wenn die Bundesregierung sagt, Deutschland sei gut vorbereitet, ist das ihre Sache. Ich habe an dieser Aussage meine Zweifel. Nach unseren Untersuchungen ist in Deutschland immer noch jedes fünfte Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet. Wenn in einer Lieferkette eine Firma ausfällt, dann können auch die anderen in Schwierigkeiten kommen.

Kann man sich in Deutschland wie in den USA gegen das Millienium-Problem versichern?

In Deutschland kann man sich anders als in den USA nur in wenigen Ausnahmefällen konkret gegen Jahr-2000-Schäden versichern. Im Normalfall sind aber Firmen über ihre Sach-, Haftpflicht-, oder ihre Kreditversicherung für mögliche Schäden gewappnet. Sie müssen allerdings sicherstellen, dass die Verträge keine Ausschlussklauseln für den Millenniumsfehler enthalten.

Was passiert denn, wenn ein Bremsenhersteller wegen eines EDV-Problems den Autohersteller nicht beliefern kann. Wer haftet?

Der Autozulieferer wird sich an den Bremsenhersteller und dieser an seinen EDV-Hersteller wenden, sollte das Problem auf eine fehlerhafte Software zurückgehen. Damit kann relativ schnell klar sein, wer für den Schaden haftet. Das heisst aber nicht, dass der Haftpflichtversicherer des Softwareherstellers für den vollen Schaden aufkommt. Dies hängt von den Versicherungsbedingungen im einzelnen - wie beispielsweise der Deckungssumme - ab.

Bisher war die Rede von Firmen. Doch wer kommt für Schäden in Privathaushalten auf?

Zuerst einmal gilt, dass man sich gegen Ausfälle eines Haushaltsgerätes, dass nicht Jahr-2000 kompatibel ist, in der Regel nicht versichern kann. Sollte es aber durch ein Millennium-Problem zu einem Brand oder einem Wasserschaden kommen, dann sind diese Schäden im Rahmen der Hausrat- oder der Gebäudeversicherung versichert. Kommt es wider Erwarten bei den Stromversorgern zu einem längeren Ausfall, so dass der Inhalt der Tiefkühltruhe schlecht wird, dann können solche Schäden über die Hausratversicherung versichert sein. Privathaushalte müssen aber genauso wie Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sein. Wer seine Heizung in Sachen Jahr 2000 nicht überprüft hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Versicherung nicht für geplatze Wasserrohre und die daraus entstandenen Schäden aufkommen will.

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