• Der TGV ist in Deutschland noch Zukunftsmusik, aber Kooperationen mit dem französichen Händler sind denkbar

Wirtschaft : Der TGV ist in Deutschland noch Zukunftsmusik, aber Kooperationen mit dem französichen Händler sind denkbar

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Allzu bald wird der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV nicht in die Betriebswerke der Deutschen Bahn rollen. Die Ankündigung von Noch-Bahn-Chef Johannes Ludewig, "konkret" über Alternativen zum teuren ICE zu verhandeln, ist beim wahrscheinlichen Lieferanten, dem französischen Alstom-Konzern, offenbar auf Überraschung gestoßen: "Bislang gibt es keine spezifische Nachfrage der Deutschen Bahn", sagte Alstom-Konzernchef Pierre Bilger bei der Eröffnung des neuen Konzernbüros am Donnerstag in Berlin. Gleichwohl fügte er hinzu, er könne sich vorstellen, "Elemente der TGV-Technologie zu liefern". Auch Gemeinschaftsprodukte mit deutschen Herstellern - etwa der bereits mit Siemens für Asien entwickelte "Eurotrain" - seien denkbar. All dies könne man zum Teil auch in Deutschland fertigen.

Bilger machte deutlich, dass sich im Geschäft mit Hochgeschwindigkeitszügen "kaum Geld verdienen läßt". Der Markt für diese Produkte sei weltweit sehr klein, die Stückzahlen zu gering. Er halte es daher für sinnvoll, wenn die drei großen Hersteller - Adtranz, Siemens und Alstom - in Zukunft in diesem Bereich stärker zusammenarbeiten würden. Eine Fusion mit einem der beiden großen Konkurrenten schloss er allerdings aus. Alstom, so Bilger, habe mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Euro Adtranz als Nummer eins im weltweiten Schienenfahrzeuggeschäft abgelöst, und schreibe, im Unterschied zu den beiden Konkurrenten, Gewinne. "Wir sind stark genug, um in dieser Sparte allein voranzukommen", so Bilger.

Gleichwohl will der Energie- und Transportkonzern sein Deutschland-Geschäft ausbauen. Die deutsche Tochtergesellschaft sei, nach Frankreich und Großbritannien, "der dritte tragende Pfeiler" des Konzerns, sagte Bilger. Alstom hat in Deutschland weite Teile der früheren AEG, darunter den Nachfolger Cegelec, sowie den Schienenfahrzeughersteller Linke-Hoffmann-Busch (LHB) in Salzgitter übernommen. Die deutsche Tochtergesellschaft erzielte 1998 einen Umsatz von 4,2 Milliarden Mark und steuerte damit fast 15 Prozent zum Konzernumsatz bei. Für Deutschland, sagte Bilger, gelte das Konzernziel, ein jährliches Umsatzwachstum von sechs Prozent zu erzielen. Dies wolle man nun "aus innerer Kraft" erreichen. Ausgebaut werden soll vor allem das Exportgeschäft.

Für Berlin gab das Unternehmen Entwarnung. Nachdem zuletzt mehrfach über eine Schließung des Cegelec-Werkes in Marienfelde mit derzeit 750 Beschäftigten diskutiert wurde, hieß es nun: "Diese Aktivitäten zählen zum Kerngeschäft." Zudem wird, wie berichtet, auch die Deutschland-Zentrale der kürzlich mit ABB fusionierten Kraftwerkssparte in Berlin angesiedelt. Einschließlich der Vertriebsaktivitäten zählt Alstom rund 950 Beschäftigte an der Spree.

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