Wirtschaft : Der thailändische Großaktionär hält der Kempinski-Kette die Treue

BERLIN (Tsp). Der Großaktionär der weltweit tätigen Hotelgruppe Kempinski, der thailändische Immobilienkonzern Siam Sindhorn, denkt derzeit nicht an einen Rückzug aus dem Unternehmen. Die von Kleinaktionären geforderte Kapitalerhöhung angesichts einer angespannten Liquiditätslage stehe weiterhin nicht zur Debatte. Auf der Hauptversammlung der Kempinski AG am Mittwoch im Berliner Hotel Adlon sagte der neue Aufsichtsratschef Vichit Suraphongchai, der Mehrheitsaktionär befinde sich in gesunder finanzieller Verfassung. Kempinski sei ein wichtiges substantielles Investment. Zur Forderung nach frischem Kapital äußerte er sich nicht. Siam Sindhorn Ltd., die 83,3 Prozent der Anteile hält und eng mit der Siam Commercial Bank verbunden ist, hatte im Mai angedeutet, daß man sich langfristig von Kempinski trennen wolle. Der stellvertretende Vorstandschef Reto Wittwer erklärte, die Liquiditätslage des Konzerns sei weiter angespannt. Man halte sich daher die Option, andere Gesellschafter auf Ebene der einzelnen Hotelgesellschaften aufzunehmen, weiter offen.Kernpunkt des Rechtsstreits ist die vom vorherigen Mehrheitsaktionär Advanta angestrebte Räumung und Herausgabe des "Kempinski Hotel Bristol Berlin" durch die Hotelkette. Darum herum ranken sich ein halbes Dutzend weiterer Verfahren. Die bis Ende 1998 aufgelaufenen Gerichtskosten bezifferte Wittwer auf 7,6 Mill. DM. Die Kempinski AG, deren Schadenersatzforderungen sich inzwischen auf rund 140 Mill. DM beliefen, sei für eine Einigung jedoch weiter offen. Kempinski will die Nichtigkeit des alten Mietvertrages mit Advanta vom Bundesgerichtshof feststellen lassen. Die ursprünglich von der Lufthansa gehaltenen Anteile von 83,3 Prozent waren zunächst von Advanta erworben und zum Jahreswechsel 1994/95 an Dusit weiterverkauft worden. Etwa zwei Jahre danach begannen die Auseinandersetzungen.Kempinski betreibt weltweit 28 Häuser. Zufrieden äußerte sich Wittwer über das Berliner Top-Hotel "Adlon". Es habe "bei weitem alle Erwartungen" übertroffen. Trotz der Belastung von zwölf Mill. DM Pacht habe es mehr als drei Mill. DM zum Ergebnis der Kempinski-Gruppe beigetragen. Die Auslastung des bis zum Jahr 2017 gepachteten Hotels habe im vergangenen Jahr 51 Prozent betragen, der durchschnittliche Zimmerpreis rund 400 DM.1998 hatte sich der Konzernüberschuß der Kempinski AG von 0,8 Mill. DM auf 3,9 Mill. DM erhöht. Der Konzernumsatz sei einschließlich inländischer Managementbetriebe um fast 17 Prozent auf 303,8 Mill. DM gestiegen. In der AG ging der Gewinn wegen des außerordentlichen Aufwands im Zusammenhang mit dem Bristol-Hotel von 2,5 Mill. auf 0,7 Mill. DM zurück. Für 1998 wird wieder an alle Aktionäre eine Dividende von drei DM ausgeschüttet.

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