Wirtschaft : Der tiefe Fall der Dresdner Bank

Rolf Obertreis

Sieht so eine gelungene Übernahme aus, wird so Aufbruchstimmung vermittelt, wie sie Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz noch im Mai nach der Übernahme seines Hauses durch die Allianz in hellsten Farben gemalt hat? Wohl kaum: Die Dresdner Bank steht mit dem Rücken zur Wand, der Druck aus München ist angesichts der schlechten Zahlen aus Frankfurt gewaltig. Auf nichts anderes deutet der erneute Umbau der Bank und der Abschied von drei der neun Vorstandsmitglieder hin. Bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Dresdner Bank steckt nicht nur wegen der schwachen Börse, wegen des flauen Wertpapiergeschäftes und gestiegener Kreditrisiken tief in den roten Zahlen. Managementfehler, Strukturschwächen werden immer offensichtlicher. Fahrholz hat sie in seiner bislang knapp 20-monatigen Amtszeit an der Spitze nicht ausmerzen können. Im Gegenteil: Die Dresdner Bank steht im eigentlichen Bankgeschäft noch schlechter da als die Commerzbank; der Umbau und die Strukturbereinigungen finden kein Ende. Mit 7800 Stellen wird die Dresdner Bank im Vergleich zu den beiden anderen Frankfurter Großbanken bis Ende 2003 die meisten Mitarbeiter auf die Straße setzen. Ob das ausreicht? Die Stimmung in der Bank ist jedenfalls miserabel, die mit der Übernahme durch die Allianz erhoffte Ruhe ist nicht eingekehrt. Und der Abstand zur Deutschen Bank, mit der sie im Frühjahr 2000 noch allen Ernstes eine Fusion unter Gleichen anstreben wollte, wird immer größer. Kaum eine andere Großbank steht so beispielhaft für die Versäumnisse der Branche wie die Dresdner Bank: zu hohe Kosten, zu viele Filialen, zweifelhaft hohe Aufwendungen für das Investmentgeschäft und lange ein zu starrer Blick auf das globale Geschäft. Wer hätte noch vor Jahresfrist gedacht, dass auch traditionsreiche Großbanken so tief fallen können.

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