Wirtschaft : Der "Tonykrat"

Was ist ein Tonykrat? Einer, der mit New Labour und New Britain an Bedeutung gewonnen hat.So nannte die amerikanische Zeitschrift "The New Yorker" Anthony Giddens, selber ein Tony wie Premierminister Blair.Giddens diskutiert am heutigen Donnerstag an der Spree über "Deutsche Herausforderungen - Europäische Lösungen", eine Veranstaltung der Londoner Flemings Bank und des German-British Forum.Die Frage, die sich Giddens stellt: Gibt es für Deutschland einen dritten Weg zwischen rheinischem und angelsächsischem Kapitalismus?

Der Soziologe Giddens hält wenig davon, der Marktwirtschaft das Soziale zu nehmen."Eine der größten Schöpfungen der westlichen Zivilisation" ist für ihn der Wohlfahrtsstaat.Gleichwohl: Den müsse man reformieren, weil die Welt sich in den Jahrzehnten seiner Existenz verändert habe, während der Sozialstaat statisch geblieben sei.

Giddens hat großen Einfluß im Vereinigten Königreich - nicht nur als Berater von Blair.Außerdem ist er Direktor der renommierten London School of Economics, die Eliteschmiede für das politische London in Westminster und das wirtschaftliche London in der City.An der Hochschule lehrte bereits Lord Beveridge, der Erfinder des britischen Sozialstaats.Doch an derselben Universität waren auch der Philosoph Karl Popper und der Ökonom Friedrich August von Hayek tätig - Urgesteine des Liberalismus.

Giddens sieht die Lösung der heutigen Herausforderungen in einer Mischung der Programme seiner universitären Vorfahren.Sozialismus und Konservatismus hätten sich überlebt.Auch der Liberalismus könne die Probleme nicht bewältigen.Seiner Ansicht nach muß ein Wohlfahrtsstaat das Verhältnis von Markt und Staat neu ausloten.Er traut dem einzelnen Bürger ziemlich viel zu - mehr Risiko sei möglich, Gleichheit und Sicherheit nicht das einzige Ziel der staatlichen Eingriffe.

Giddens sucht das Neue, und das veröffentlicht er regelmäßig.Seine Bücher sind Bestseller - so das Standardlehrbuch Soziologie, mit dem zumindest im englischsprachigen Raum viele Studenten der Sozialwissenschaften groß werden: Der 60jährige gilt als der wichtigste englische Soziologe der Gegenwart.

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