Wirtschaft : Der Traum vom eigenen Grundstück auf dem Mond

SIBYLLE HACKEBEIL

Das Angebot ist unschlagbar günstig: Für ein Grundstück auf dem Mond verlangt Mondland.de ganze 39,90 DM.Einzelne Flecken zwischen dem Mare Foecunditatis und dem Mare Tranquillitatis, Grundstücke neben den Kratern Landsberg, Euklides, Kant oder Seneca gehören längst Deutschen aus Dresden oder Berlin oder aber einem ehemaligen amerikanischen Präsidenten.Das berichtet jedenfalls die Lunar Embassy in San Francisco.28 500 Besitzer tummeln sich nach ihren Angaben eigentumsrechtlich auf dem Mond.Einer wird bei dieser Sache sogar reich: Dennis Hope, selbsternannter Mondbesitzer und -verkäufer aus San Francisco.

Hope kann sich über mangelndes Interesse am Mond nicht beklagen, seit 19 Jahren reklamiert er den Mond für sich.Von 1996 an ist sein Unternehmen im Internet vertreten, und nun kann wirklich jeder Erdenbürger seinen Anteilsschein am Mond erwerben und damit Besitzer werden von 716 Hektar Land auf dem Mond.Zumindest auf dem Papier, denn wer die 39,90 DM zahlt, erhält eine Besitzerurkunde "auf simuliertem Pergamentpapier".Der Mond ist damit ein echtes Schnäppchen, ein Grundstück auf der Venus kostet bereits 44,90 DM, und wer den Mars sein Eigen nennen will, muß 49,90 DM hinblättern.Der gleiche Preis gilt für den Jupitermond Io, der erst seit kurzem im Angebot ist.Stimmen die Zahlen, die Hope veröffentlicht, dann hat der Amerikaner inzwischen gut 1,4 Mill.DM mit Mond, Jupiter und Mars verdient und von seinem Produkt unter anderem 30 Nasa-Mitarbeiter, 15 Darsteller aus Star-Trek- und Raumschiff-Voyager-Serien sowie zwei ehemalige US-Präsidenten überzeugt.

Jegliche Kritik an dem Projekt ist inzwischen verpufft, die Geschäftstüchtigkeit Hopes wird allerdings vielfach als Scherz abgetan.Nach deutschem Recht sind die Kaufverträge jedoch gültig, sagt Isabel Polley vom Institut für Luft- und Raumfahrtrecht in Köln."Verkaufen kann man, eine andere Frage ist die, ob der Vertrag überhaupt zu erfüllen ist." Doch darum muß sich Hope vorerst keine Sorgen machen.Flüge zum Mond sind frühestens in 80 bis 100 Jahren möglich, schätzt Andreas Schütz vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Berlin.Und 15 Mill.Dollar etwa hat kaum ein Mondeigentümer übrig - diese Summe verlangte die russische Regierung für einen Platz in der Sojus-Kapsel und einen Acht-Tages-Aufenthalt in der Raumstation Mir vergangenes Jahr.Die Mir befindet sich auf einer Umlaufbahn zwischen 350 und 450 Kilometern von der Erde, der Mond hingegen ist etwa 400 000 Kilometer von der Erde entfernt.

Trotz der Distanz finden sich immer mehr Geschäftemacher, die den Traum vom Mond in bare Münze umwandeln wollen.Die Reiseveranstalter Thomas Cook und Marco Polo führen Wartelisten für die Mond-Reise, und ehemalige Nasa-Mitarbeiter haben bereits Pläne zur Kolonisation des Mondes entworfen, weiß Werner Küstenmacher, Autor eines Buchs über Vorbereitung, Anreise und Leben auf dem Mond.Die Mitarbeiter dieses Artemis Projects rechnen mit einem Ticketpreis zum Mond im Jahr 2025 zwischen 20 000 und 200 000 Dollar.

Die Nationalstaaten haben sich aus der Diskussion um den Mond zurückgezogen.Keine der großen Raumfahrtnationen zeigt im Moment ein besonderes Interesse am Mond.USA, Rußland und Europa konzentrieren sich auf die Internationale Raumstation, die in 400 Kilometern Höhe über der Erde entsteht.Dort sollen ab 2004 sieben Astronauten aus den USA, Rußland, Europa, Kanada und Japan gemeinsam Grundlagenforschung betreiben.Auf den Mond hat seit 1972 kein Mensch mehr einen Fuß gesetzt - die Missionen sind schlicht zu teuer und hatten in der Vergangenheit vor allem einen Zweck: "Die Amerikaner mußten nach dem Sputnikschock etwas erreichen, also schickten sie den ersten Mann auf den Mond", sagt Andreas Schütz vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum.Wie teuer die politische Demonstration war, gibt niemand genau an.Um einen Eindruck von der Größenordnung solcher Weltraumexpeditionen zu bekommen: Der Start einer Ariane, die Satelliten ins All transportiert, kostet etwa 100 Mill.Dollar.

Martin Jürgens denkt nicht ans Geld.Jürgens ist Rentner aus Westerkappeln und deutscher Mondbesitzer, in Familienfolge seit 1756.Vor drei Jahren, 1996, als Hope seine Homepage eröffete, teilte er der Deutschen Presseagentur mit, daß er der rechtmäßige Besitzer des Mondes sei, "um Hope in die Schranken zu weisen".Als Beweis legte er eine Urkunde vor, die belegt, daß Friedrich der Große Aul Jürgens, einem Urahn der Familie, den Mond geschenkt hat.Hope dagegen kann gerade einmal die Registrierung bei einer Bezirksbehörde von San Francisco vorweisen.

Doch beide Ansprüche sind nichtig, sagen Wissenschaftler vom Institut für Luft- und Weltraumrecht.Der Mond gehöre niemandem, das Weltall sei nicht territorial.Dazu berufen sich die Wissenschaftler auf den Weltraumvertrag von 1967.Artikel zwei bestimmt, daß der "Weltraum einschließlich des Mondes und aller anderen Himmelskörper keiner nationalen Aneignung unterliegt".Rund 110 Staaten akzeptierten diese Definition und unterschrieben.

Der Mondvertrag, der 1979 diese Regelung noch klarer fassen wollte, scheiterte jedoch.Die Unterzeichner wollten den Mond als "gemeinsames Erbe der Menschheit" deklarieren, für die Nutzung sah der Vertrag ein Verteilungsregime vor.Das ging den USA und der Sowjetunion dann doch zu weit, unterzeichnet haben immerhin Chile, Österreich, Uruguay, die Philippinen und Guatemala.Im Zweifel gehen dann doch die nationalen Interessen der Raumfahrtnationen vor - und die sieht die US-Regierung durch Dennis Hope offensichtich nicht bedroht.

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