Wirtschaft : Der Traum vom freien Welthandel

Die Gespräche stocken, Merkel will das ändern

Jan Dirk Herbermann

Genf - Angela Merkel will es richten. Fast fünf Jahre zieht sich die Welthandelsrunde schon hin, jetzt könnte die Bundeskanzlerin Schwung in die Gespräche bringen: Auf dem G-8-Gipfel in St. Petersburg will sie die Blockade in der Welthandelsorganisation (WTO) zum Thema machen. Bei einem Extratreffen der G 8 mit Vertretern sechs führender Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China am Montag will sie Lösungen für die WTO-Krise ausloten, wie Diplomaten in Genf bestätigten. Den Rückhalt von US-Präsident George W. Bush hat sie. Auch WTO-Chef Pascal Lamy reist an.

Ein Durchbruch wäre dringend nötig, der WTO läuft die Zeit davon. Die 2001 in Doha beschlossenen Verhandlungen, die die Handelsbarrieren senken sollen, müssen bis Anfang 2007 abgeschlossen sein. Dann läuft eine Sondervollmacht der US-Regierung aus. Ohne sie kann die US-Regierung einen WTO-Deal kaum durch den Kongress schleusen. Ein Pakt ohne die Wirtschaftsweltmacht USA ist aber wertlos. Zieht man die Zeit ab, die notwendig ist, um alle Feinheiten abzustimmen und auf Papier festzuhalten, muss eine grundsätzliche Einigung in den nächsten Wochen her.

Sollten sich die WTO-Streithähne auf globale Marktöffnungen einigen, sagen Experten einen kräftigen Schub voraus. Eine Weltbank-Studie prognostiziert jährliche Gewinne für die Weltwirtschaft von 461 Milliarden US-Dollar, falls alle Länder Waren ohne Beschränkungen über ihre Grenzen ließen. Die armen Länder befürchten aber, dass sie dabei benachteiligt werden. Führende Schwellenländer um Brasilien fordern von den reichen Staaten, dass diese ihre umfangreichen Hilfen für Landwirte abbauen. Die Europäische Union müsse ihre hohen Zollmauern entfernen. Und die USA sollten die üppigen direkten Finanzhilfen an Farmer herunterfahren.

Diplomaten in Genf hoffen nun auf ein positives Signal aus St. Petersburg. Ein Unterhändler sagte: „Jetzt müssen die Spitzen der Politik klar machen, dass sie einen Durchbruch in der Welthandelsrunde wollen.“

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