Wirtschaft : Der Tubos feiert Jubiläum

KATHRIN QUANDT (HB)

Wer im Dschungel der Terminmärkte nach Orientierung sucht, wird erleichtert feststellen: Experten ringen um mehr Transparenz - etwa mit Hilfe von Marktbarometern.Der Trinkaus & Burkhardt-Optionsschein-Index (Tubos), 1984 vom gleichnamigen Düsseldorfer Bankinstitut aus der Taufe gehoben, ist immer noch das einzige deutsche Barometer für Optionsscheine.Wie der Deutsche Aktienindex ist er als Performanceindex konzipiert und umfaßt alle an deutschen Börsen - das heißt im Amtlichen Handel, Geregelten Markt oder Freiverkehr - gehandelten Optionsscheine auf deutsche Aktien.

Dabei geht es um klassische ("Issue linked") Optionsscheine, die von den Unternehmen aufgelegt werden.Die Gesellschaften haben diese Scheine im Rahmen einer bedingten Kapitalerhöhung begeben.Nicht erfaßt werden sogenannte Covered Warrants, bei denen sich die Optionsscheine auf bereits umlaufende Aktien beziehen.Bei über 6000 umlaufenden Optionsscheinen in Deutschland geht es also um ein vergleichsweise kleines Segment.Eine Aufteilung des Marktes scheint sinnvoll, denn die große Zahl der Scheine kann nach Aussagen vieler Beobachter kaum mit Hilfe eines einzigen Barometers erfaßt werden.

Derzeit sind 24 Werte im Tubos enthalten, darunter: BASF, zwei BHF-Bank-Scheine, Commerzbank, Continental, zwei Dresdner-Bank-Scheine, zwei VW-Scheine, Preussag, Metro und Heidelberger Zement.Demnächst soll ein neuer Schein der Münchener Rück aufgenommen werden.

Wie Marko Deuticke, Derivatespezialist bei Trinkaus & Burkhardt erläutert, ist der Index am 2.Januar 1984 mit 20 Werten gestartet.Vor diesem Zeitpunkt habe es einfach zu wenig Optionsscheine dieser Art gegeben, als daß man diese zu einem aussagefähigen Index hätte zusammenfassen können.Die im Tubos enthaltenen Scheine sind jeweils mit ihrem zum Handel an deutschen Börsen zugelassenen Emissionsvolumen gewichtet.Berechnet wird der Index nach einer Formel von Laspeyres.Ebenso wie der Dax basiert er auf 1000 Punkten am letzten Börsentag des Jahres 1987.

Daher bietet sich ein Vergleich der Performance von Dax und Tubos an: Der fällt für den Optionsscheinindex auf den ersten Blick zeitweise günstig aus.Seit Mitte 1997 haben die Optionsscheine die 30 größten deutschen Aktien spielend abgehängt.Ursache hierfür ist die vielzitierte Hebelwirkung bei Optionsscheinen.Ihr Wert steigt prozentual gesehen stärker an als der der zugrunde liegenden Aktie.Allerdings kann der Hebel auch in die andere Richtung ausschlagen, und der Investor ist sein Geld schneller los, als er erwartet hat.

In Zeiten stagnierender Kurse (beispielsweise zwischen März 1992 und 1993) hinken die Optionsscheine den Aktien aber hinterher, da ihr Wert mit dem Näherrücken des Verfalls sowieso sinkt (Zeitwertverlust).Und die zur Kompensation notwendigen Kursgewinne blieben ja aus.

Dennoch, mehr Risiko wird auch mit mehr Geld bezahlt: Bei einem heutigen Stand von 10 544 Punkten hat sich der Tubos innerhalb von 10 Jahren verzehnfacht.Das entspricht einem Performance-Zuwachs von 26,5 Prozent pro Jahr.Der Dax hat im gleichen Zeitraum lediglich um das 5,75fache zugelegt, was einem Plus von 19 Prozent pro Jahr entspricht.Dabei sind seine Kursschwankungen aber auch deutlich schwächer gewesen: Die Zehn-Jahres-Volatilität (Ausmaß der durchschnittlichen Kursschwankungen) liegt beim Dax bei 18,22 Prozent, beim Tubos hingegen bei 33,5 Prozent.

Anders als bei einem Aktienindex ändert sich die Zusammensetzung des Tubos aufgrund der begrenzten Laufzeiten der einbezogenen Titel regelmäßig.Auslaufende Scheine werden am Tag, an dem die Notierung eingestellt wird, aus dem Tubos herausgenommen, neu begebene ab dem Tag ihrer ersten Notierung hinzugefügt.Die Zahl der Emissionen in diesem Segment ist übrigens rückläufig.Im Mai 1992 umfaßte der Index noch 79 Werte.Bei der Untergrenze von 24 dürfte er aber vorerst stabil bleiben, meinen die Banker.

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