Wirtschaft : Der Tui-Gewinn stürzt ab

Weltgrößter Touristikkonzern verdient 90 Prozent weniger/Buchungen bleiben deutlich unter den Erwartungen

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Hannover (fw). Der weltgrößte Reisekonzern Tui leidet weiter schwer unter der andauernden Reiseflaute. „Der IrakKrieg hat ein schwieriges Umfeld für uns geschaffen“, sagte Tui-Chef Michael Frenzel bei der Vorstellung seiner Bilanz für das Geschäftsjahr 2002 am Mittwoch in Hannover.

Diese fiel nicht gut aus: Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen sank um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 608 Millionen Euro. Wegen hoher Steuern und Abschreibungen sank der Reingewinn gar um 90 Prozent auf 41 Millionen Euro von zuvor 411 Millionen. In der Touristiksparte, die den Großteil des Umsatzes ausmacht, sank der Gewinn um 37 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz schrumpfte um 9,4 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro. Für das erste Quartal sieht Frenzel „keine Chance für ein Ergebnis auf Vorjahresniveau“. In der Touristik werde der Gewinn im Gesamtjahr 2003 unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Wegen außerordentlicher Erträge aus den Verkäufen in der Energiesparte erwartet Frenzel insgesamt 2003 eine Verbesserung des operativen Ergebnisses. Die Tui-Aktie verlor an der Börse 4,93 Prozent auf 13,69 Euro.

Viele Verbraucher wollen nach dem Krieg noch immer nicht reisen: Der momentane Buchungsstand für die Sommersaison ist um 15 Prozent niedriger als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr, im wichtigsten Markt Deutschland steht das Minus sogar bei 16 Prozent. Zwar hofft Frenzel, dass die Buchungen bald anziehen. „Aber der Rückstand wird in den kommenden Monaten nicht ausgeglichen werden“, sagte Frenzel.

Für den Gewinneinbruch und die schlechten Aussichten machte Frenzel neben dem Irak-Krieg die Nachwirkungen der Terrorattacken vom 11. September 2001, die Konjunkturschwäche und Sars verantwortlich. Frenzel hat den ehemaligen Preussag-Konzern in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum reinen Tourismus-Konzern umgebaut. Die Energiesparte wurde inzwischen vollständig veräußert, Dienstleistungen und Teile der Logistiksparte sollen dieses Jahr folgen. Mehr als 60 Prozent macht der Tourismus inzwischen am Umsatz aus, also leidet die Tui auch stark unter der Reiseunlust.

Um wieder auf Gewinnkurs zu kommen, will Frenzel auf das veränderte Reiseverhalten der Kunden eingehen, also auf das kurzfristige Buchen und die Schnäppchenjagd. „Wir können nicht negieren, dass es hier ein starkes Wachstum gibt“, sagte Frenzel. Dieses Bereich könne die Tui nicht den neuen Anbietern wie Expedia oder Opodo überlassen. Am Montag hatte die Tui die Billig-Marke „Discount Travel“ vorgestellt, über die sie übrig gebliebene Reisen zu Niedrigstpreisen verkaufen will. Zusätzlich will Frenzel aber auch die Billigmarke 1-2-Fly ausbauen, die billige Pauschalreisen hauptsächlich für Familien anbietet. Die Tui solle verstärkt auch einzelne Reiseteile verkaufen. Als erster Schritt soll im Juli ein Hotelportal im Internet freigeschaltet werden. Auch der Billigflieger Hapag-Lloyd-Express solle weiter expandieren, im Winter solle ein dritter Basisflughafen in Süddeutschland ausgewählt werden. „In den nächsten fünf Jahren wird der Low-Cost-Bereich 20 Prozent unseres Konzernumsatzes ausmachen“, prognostizierte Frenzel.

Der Tui-Chef will auch die Entschuldung durch Verkäufe von unrentablen Konzernteilen vorantreiben. In diesem Jahr werde die Verschuldung durch den Verkauf der Energiesparte von 5,4 auf unter vier Milliarden gedrückt. Dazu sollen weitere Desinvestitionen in den Bereichen Handel und Logistik die Verschuldung um eine weitere Milliarde in den nächsten 18 Monaten zurückführen. Dem Sparkurs fallen 2003 und 2004 etwa 2000 Stellen zum Opfer. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Frenzel nicht aus.

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