Wirtschaft : Der Uhrenkönig

Swatch-Gründer Nicolas Hayek wird 80

Genf - Eifrige Bewunderer vergleichen den 1,69 Meter großen Uhrenkönig Nicolas Hayek mit Napoleon: Noch ein egomanischer Tausendsassa, der die Welt zwingt, in seinem Takt zu schlagen. Das jüngste Projekt Hayeks zeigt zumindest, dass er weiter die Zeichen der Zeit erkennt: Der Verwaltungsratspräsident der Swatch-Gruppe hat die Umweltfirma Belenos Clean Power Holding gegründet. Sie soll sich vor allem an Solarfirmen beteiligen.

Hayek demonstriert mit seiner neuen Firma pünktlich zu seinem 80. Geburtstag am morgigen Dienstag, dass ein Wort für ihn nicht existiert: Ruhestand. „Würden Sie einen Mann entlassen, der um sechs Uhr dreißig voller Energie zu arbeiten anfängt, der Englisch, Französisch und Deutsch perfekt spricht, der Beziehungen zu allen Regierenden und wichtigen Meinungsführern der Welt hat und ein Topunternehmer ist?“, fragt der Multimillionär.

Hayeks Selbstbewusstsein ist auch Produkt seines größten Coups: Der Migrant aus dem fernen Libanon rettete die Schweizer Uhrenindustrie vor dem Untergang. Es war in den achtziger Jahren. Die einstmals so stolzen Schweizer Uhrenmanufakturen lagen danieder, gegen die billige Massenkonkurrenz aus Fernost wussten sie sich nicht zu helfen. Damals reüssierte Hayek bereits als Unternehmensberater: Die Gläubigerbanken der Uhrenindustrie heuerten ihn an. Der hemdsärmelige Macher mischte die verschlafenen Betriebe auf, restrukturierte, straffte und fusionierte die Firmen zu einem Unternehmen.

Nebenbei revolutionierte Hayek die ganze Branche – mit der Swatch. Es war diese Mischung aus frechem Design, Zuverlässigkeit und Handlichkeit, die aus dem Zeitmesser ein Kultobjekt machte. „Über die Jahre haben wir durchschnittlich 15 bis 20 Millionen Swatch-Uhren jährlich produziert“, berichtet Hayek stolz. Der gesamte Swatch-Konzern erzielte 2007 einen Rekordumsatz von knapp sechs Milliarden Franken (3,7 Milliarden Euro).

Ein Garant für Hayeks Erfolg ist seine Familie. Sein Sohn Nick führt als Konzernchef die Swatch Group. Tochter Nayla ist designierte Chefin von Tiffany, einer der edlen Swatch-Marken. Enkel Marc vertraute Hayek die Geschicke der Edelmarke Blancpain an.

Von einem seiner Zeitmesser schwärmt Hayek besonders: „Wenn ich mal verzweifelt bin über das, was so alles auf unserer Welt passiert, schließe ich mich im Büro ein, höre mir ein Klavierkonzert an und betrachte die von Hand gefertigte Mechanik dieser Uhr“, sinniert Hayek. „Dann glaube ich wieder an das Gute und Schöne dieser Welt.“ Die Uhr ist eine Breguet. Schon Napoleon ließ sich von einer Breguet zeigen, was die Stunde geschlagen hatte. jdh (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben