Wirtschaft : Der unangefochten Branchenführer konnte die Einnahmen im 1. Halbjahr auf 54 Milliarden Mark steigern

tmh

Ungeachtet der Diskussion um Lebensversicherungen und steuerliche Belastungen der Assekuranz bleibt der Branchenführer Allianz AG, München, auf dem Wachstumspfad. Im ersten Halbjahr 1999 sind die Beitragseinnahmen konzernweit um knapp 19 Prozent auf rund 54 Milliarden Mark gestiegen, teilten die Münchner am Mittwoch in einem erstmals erstellten Halbjahresabschluss mit. Bereinigt um Zukäufe und Währungseffekte betrage das interne Wachstum 4,2 Prozent. Bis Ende 1999 sollen die Umsätze insgesamt um gut acht Prozent auf rund 100 Milliarden Mark zulegen. Damit knüpft die Allianz an die Umsatzentwicklung der Vorjahre an. Nicht berücksichtigt sind in dieser Prognose die Einnahmen durch neu erworbene oder aufgestockte Beteiligungen in Korea, Taiwan und den USA.

Nach oben geht es auch mit den Profiten. Der Jahresüberschuss liege zum Halbjahr bei 2,3 Milliarden Mark. Wegen der Umstellung der Rechnungslegung von deutschen auf internationale Standards gibt es dafür keinen Vergleichswert. Bis Jahresende geht der Versicherer weiter von einer gut zehnprozentigen Erhöhung des Jahresüberschusses auf fast vier Milliarden Mark aus. Nicht in diese Gewinnprognose eingerechnet ist allerdings ein einmaliger Sondereffekt durch die Absenkung der heimischen Körperschaftssteuer von 618 Millionen Mark, der den Nachsteuergewinn 1999 auf weit über vier Milliarden Mark treiben dürfte.

Die Börse reagierte auf den Zwischenbericht mit einem gut zweiprozentigen Anstieg der Allianz-Aktie, womit das Papier als Tagesgewinner abschloss.

Gespeist wurden die Allianz-Gewinne zum Halbjahr maßgeblich durch Kapitalanlagen, erklärten die Münchner. Im eigentlichen Versicherungsgeschäft sei der Branchenführer trotz allgemeiner Zunahme der Schadensquote durch witterungsbedingte Einflüsse von Grossschäden bislang weitgehend verschont geblieben. Auch durch das verheerende Erdbeben in der Türkei erwarte die Gruppe nur eine geringe finanzielle Belastung.

Die Beiträge wachsen indessen quer über alle Versicherungssparten. In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Einnahmen zum Halbjahr um gut 21 Prozent auf 37 Milliarden Mark und tragen damit knapp 70 Prozent des Konzernumsatzes. Neben Konsolidierungseffekten hätten vor allem auch Tariferhöhungen in der Kfz-Versicherung die Beiträge erhöht. Die Sparte Lebens- und Krankenversicherung erzielte ein Beitragswachstum von knapp 14 Prozent auf 16,6 Milliarden Mark. Angesichts der bevorstehenden Besteuerung von Lebensversicherungen habe sich das heimische Neugeschäft in diesem Segment zum Halbjahr um gut ein Fünftel verbessert.

Das neue Kerngeschäftsfeld Kapitalanlage auch für Privatkunden habe zum Halbjahr knapp elf Prozent auf ein Volumen von 49 Milliarden Mark zugelegt und rund 41 Millionen Mark Vorsteuergewinn erreicht. Kaum eine Veränderung gibt es trotz der Zuwächse im Umsatz und Gewinn beim Personal. Ende Juni 1999 beschäftigte die Gruppe konzernweit über 106 000 Mitarbeiter. Der Zuwachs um 665 Beschäftigte geht auf die erstmalige Konsolidierung einer australischen Tochtergesellschaft zurück.

Im Vorstand wird das Finanzressort neu besetzt. Die Nachfolge des aus Altersgründen ausscheidenden bisherigen Finanzvorstands Diethart Breipohl übernimmt mit dem Jahr 2000 Paul Achleitner (42). Der Manager wechselt von Goldman, Sachs & Co.OHG in Frankfurt (Main) zu den Münchnern. Den Bereich Kapitalanlage für Dritte, der bislang ebenfalls von Breipohl gemanagt wurde, vertritt künftig Joachim Faber (49). Helmut Perlet (52) wird vom stellvertretenden zum ordentlichen Allianz-Vorstand befördert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar