Wirtschaft : Der Unnachgiebige

Manfred Schell streitet im Tarifstreit mit der Bahn unbeirrbar für die Lokführer

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Dass er auch mal laut werden kann, sieht man Manfred Schell auf den ersten Blick nicht an. Es wirkt freundlich und gemütlich, wenn er – trotz Rauchverbots auf Bahnhöfen – zur Pfeife greift. Am vergangenen Dienstag stand der Chef der Lokführergewerkschaft GDL gelassen unter der großen Anzeigetafel im Frankfurter Hauptbahnhof und schaute sich das Geschehen scheinbar distanziert an. Dabei steckte der gebürtige Aachener mittendrin. Zum zweiten Mal in einer Woche hatte er die Lokführer der Bahn hinter sich versammelt, hatte wieder einen Warnstreik auf die Beine gestellt, der den Zugverkehr in der Republik zum Erliegen brachte.

Geduldig erklärte Schell Reisenden, die gezwungenermaßen festsaßen, den Grund des Ausstandes. 1500 Euro netto bei Arbeit am Wochenende und in der Nacht, das sei doch völlig unangemessen für die verantwortungsvolle Arbeit eines Lokführers. Der 64-Jährige erntete kaum Widerworte. Er weiß um diesen Rückhalt. Weshalb er nicht nur Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hart angeht, sondern auch die beiden anderen Bahner-Gewerkschaften Transnet und GDBA. Den Tarifabschluss heißt er nicht gut. Indirekt unterstellt er den beiden Gewerkschaften Kungelei mit dem Bahnvorstand. Bahn-Chef Mehdorn lehnt einen gesonderten Tarifvertrag für die rund 20 000 Lokführer strikt ab.

Doch Schell wird hartnäckig kämpfen. Immerhin ist der Christdemokrat gelernter Lokführer. Seit 1970 kämpft Schell in der GDL für die Rechte und das Geld der Lokführer. Seit 17 Jahren leitet er die Gewerkschaft, solange wie kein anderer Arbeitnehmervertreter in Deutschland. Zwischendrin saß Schell für die CDU im Bundestag, wo er gegen die Bahnreform stimmte. Heute freilich könnte er sich einen Börsengang der Bahn vorstellen.

Vorher aber will der GDL-Chef, auf dessen Konto der Bruch mit den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften vor fünf Jahren geht, für die 34 000 Mitglieder seiner Gewerkschaft einen eigenen Tarifvertrag durchboxen – mit Grundgehältern, die zwischen 27 und 40 Prozent steigen sollen, verbunden mit einer Verkürzung der Arbeitszeit von 41 auf 40 Stunden.

Für Schell wird es die wichtigste und wohl letzte große Anstrengung als GDL- Chef sein: Im Mai 2008 erreicht er die Altersgrenze. Rolf Obertreis

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