Wirtschaft : Der US-Wirtschaftsmotor läuft heiß

WASHINGTON (zz/HB).Verkehrte Welt in den Vereinigten Staaten: Ist Wachstum, wie in Europa, sonst der dringendste Wunsch der Wirtschaftspolitiker, so wünschen sich amerikanische Ökonomen und Zentralbankiers jetzt eher eine Beruhigung der Dynamik.Denn ein reales Wachstum von 6,1 Prozent, wie es in den Vereinigten Staaten für das letzte Quartal 1998 errechnet wurde, muß als "Überhitzung" eingestuft werden."Eine wirtschaftliche Beruhigung wäre eine Wohltat", meinte die Agentur Dow Jones jüngst.Und "USA Today" veröffentlicht die Konjunktureinschätzung von 49 Top-Ökonomen: Sie erwarten für das erste Quartal ein reales Wachstum von 3,5 Prozent und die folgenden Vierteljahre 2,7 bis 3,0 Prozent.

Doch die Ökonomen könnten ihre Rechnung ohne die Verbraucher gemacht haben.Die Konsumenten sind die eigentlichen Triebkräfte der Konjunktur, und das Geld sitzt weiter locker.Daß sie sich gleichzeitig zunehmend verschulden - das Volumen der in Anspruch genommen Teilzahlungskredite ist auch nach der weihnachtlichen Konsumorgie weiter gestiegen -, zeigt, daß sie die wirtschaftliche Entwicklung weiter positiv einschätzen.

Angst um die Arbeitsplätze brauchen sie sich nicht zu machen.Die Arbeitslosenrate hat sich zwischen 4,3 und 4,7 Prozent verstetigt, was besagt: Mehr ist aus dem Arbeitsmarkt wohl nicht herauszuquetschen.Ohne Beschäftigung sind nur noch die schwer Vermittelbaren.Im Januar war die Zahl der amerikanischen Arbeitslosen unter die Linie von sechs Millionen gesunken.In Deutschland sind es über vier Millionen, aber die Bevölkerung der USA ist mehr als dreimal so groß.

Zu den positiven wirtschaftlichen Perspektiven paßt, daß die Inflation in den USA weiter unter Kontrolle ist.Zwar ist der Erzeugerpreisindex im Januar überraschend stark gestiegen, doch hat sich der Preisauftrieb auf der Herstellerseite im Februar schon wieder abgeschwächt.Seit Monaten oszilliert die Verbraucherinflation zwischen 1,5 und 1,7 Prozent.Die meisten Amerikaner nehmen gar nicht wahr, daß die Preise etwas steigen.Die von "USA Today" befragten Ökonomen erwarten einen Anstieg der Inflationsrate von 1,7 Prozent im ersten Quartal des Jahres auf 2,1 Prozent im letzten Quartal dieses Jahres.

Die professionellen Ökonomen schauen noch tiefer.Sie prüfen derzeit, wie sich die Förderkürzungen der Opec auf die so sehr vom "schwarzen Gold" abhängige amerikanische Wirtschaft auswirken könnten."Höhere Ölpreise aber", konstatierte jüngst das "Wall Street Journal", "werden die schlafenden Kräfte der Inflation nicht wecken."

Zwar werden einige Verbraucherschützer wach, wenn die Benzinpreise an den Tankstellen wieder steigen und vielfach die Marke von einem Dollar pro Gallone (3,785 Liter) wieder überschreiten.Aber auch jetzt leben amerikanische Autofahrer noch in einem Paradies: Bei einem Gallonenpreis von 1, 04 Dollar wie er an der US-Ostküste zu registrieren ist, kostet der Liter Normalbenzin umgerechnet noch nicht einmal 50 Pfennige.

Natürlich ist das Öl immer noch der Schmierstoff der amerikanischen Wirtschaft, aber doch in weitaus geringerem Maße als während der ersten Ölkrise 1973/74.Die USA sind also weniger erpreßbar.Öl ist nicht mehr die wesentliche Quelle der Stromerzeugung, und in Haushalten spielt es für Heizungen auch keine so große Rolle mehr, seit Wärmepumpen immer weiter vordringen."Der am schnellsten wachsende Sektor unserer Wirtschaft lebt von Mikrochips", konstatiert das "Wall Street Journal".Und Chips werden immer billiger und immer leistungsfähiger.So läßt sich diese computerabhängige Wirtschaft immer weniger vom Öl und damit vom Diktat der Ölproduzenten beeindrucken.

Dennoch, daran besteht kein Zweifel, würde eine nennenswerte Erhöhung der Ölpreise diese Wirtschaft treffen.Das Ausmaß einer maßgeblichen Erschütterung hängt aber von der tatsächlichen Verteuerung der Ölpreise ab.

Solange das Rohöl an den internationalen Märkten nicht die psychologisch wichtige Marke von 20 Dollar pro Barrel überschreitet, schrillen noch keine Alarmglocken in den Vereinigten Staaten.

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