Wirtschaft : Der Verbrennungsmotor hat keine Zukunft mehr

REBECCA BLUMENSTEIN

Autohersteller: Eine Wende in der Motorentechnologie muß her / Umweltfreundliches "Hybridauto" mit Batterie als AlternativeVON REBECCA BLUMENSTEIN

Die Zeit wird langsam knapp für den Verbrennungsmotor.Zwar sagt niemand den Tod der Kolben und Kurbeln voraus, die Autos und auch die Automobilindustrie seit mehr als einem Jahrhundert antreiben.Aber Autohersteller von Tokio bis Stuttgart oder Detroit haben einen Konsens erreicht, der bis vor kurzem noch als ketzerisch galt: Ein tiefgreifender Wandel bei der Motorentechnologie muß her."Wir müssen starken Druck ausüben, um die Kraftstoffersparnis zu steigern und Emissionssenkungen zu erreichen", sagt John F.Smith Jr., Chef von General Motors.Er sagt ein allmähliches Auslaufen des Verbrennungsmotors in den kommenden 20 bis 30 Jahren voraus und fügt hinzu: "Es ist nur vorsichtig von uns, hart an alternativen Technolgien zu arbeiten." Jeder Autohersteller, der dies nicht tut, riskiert, technisch abgehängt zu werden.Denn die Autoindustrie steigt immer härter in ein hartes Rennen ein, wer als erster die Technologie entwickelt, die den Verbrennungsmotor ersetzen wird.Vergangenen Monat zum Beispiel kündigte Ford an, 420 Mill.Dollar in eine Allianz zwischen der Daimler Benz AG und der Ballard Power Systems Inc.of Canada zu stecken.Das Ziel: Zusammen im Jahr 2004 um die 100 000 Autos zu produzieren, die von umweltfreundlichen "Brennstoffzellen" angetrieben werden, die bei einer chemischen Reaktion Wasserstoff und Sauerstoff zu Elektrizität machen und lediglich Wasser ausstoßen. Bei der Tokioter Automobilausstellung im Oktober präsentierten japanische Autohersteller nicht weniger als sechs verschiedene Fahrzeuge mit alternativen Antriebssystemen.Dazu gehört auch der Prius von Toyota, der Benzin- und Elektroantrieb kombiniert, auf hundert Kilometer nur 3,5 Liter Benzin verbraucht und letzten Monat in Japan auf den Markt kam.Toyota bezeichnet ihn als das weltweit erste "Hybridauto" aus der Massenproduktion und will ihn um das Jahr 2000 in den USA auf den Markt bringen. Die meisten anderen Fahrzeuge mit alternativen Antriebsquellen waren nur "Entwurfsautos", die noch nicht produktionsreif sind.Die drei großen US-Autohersteller stellen nun in Detroit aus, woran sie bisher gearbeitet haben.Während der Presseschau im Vorfeld der Detroiter Automesse kündigte General Motors für 2001 ein kombiniertes Elektroauto an, das 2,9 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll.Das Unternehmen teilte mit, es werde 2004 oder früher ein Elektroauto einführen, das von einer Brennstoffzelle angetrieben wird.Chrysler stellt ein nach eigenen Angaben "verfeinertes Hybridauto" aus, den leichten Dodge Intrepid ESX2, angetrieben von einer Dieselmaschine und einem Elektromotor, der etwa 3,4 Liter auf hundert Kilometer verbrauchen wird. All diese Anstrengungen bedeuten eine radikale Abkehr von der letztjährigen Automobilausstellung in Detroit, wo noch schnittiges Design und benzinverschlingende, sportliche Wagen vorherrschten.Mit der Unterzeichnung des globalen Umweltabkommens und den Luftreinhaltungsstandards haben alte Paradigmen aber ausgedient ­ selbst im technologisch konservativen Detroit. "Niemand lehnt sich mehr zurück und denkt "das wird vorbeigehen", sagt Donald Runkle, Vorstand der GM Delphi Energy & Engine Management Systems.Der Abschied vom traditionellen Verbrennungsmotor wird die globale Autoindustrie, die jährlich eine Billion Dollar erwirtschaftet, erschüttern.Sind die neuen Technologien gut genug, werden die meisten der weltweit 600 Mill.Autos und Lastwagen auf einen Schlag veraltet sein.Die Tankstellen auf allen Kontinenten müssen umgekrempelt werden und hohe Investitionen in neue Werkzeugmaschinen werden gefordert. Die Automobilhersteller wissen, daß es keine so leichte Antwort auf die Frage gibt, was den traditionellen Verbrennungsmotor ersetzen wird.Die letzte große Neuerung war der Umschwung zu den Dieselmotoren.Da sie effizienter sind, sind die Dieselmotoren in Europa beliebt, wo hohe Mineralölsteuern die Autofahrer bestrafen.In den USA, wo ein Liter Benzin weniger als eine Flasche Mineralwasser kostet, liegt die Kraftstoffersparnis den Autofahrern lange nicht so am Herzen.Aber sie würden möglicherweise für einen Motor stimmen, der durch geringeren Benzinverbrauch auch den Ausstoß von Kohlendioxid drosselt, das als Hauptverursacher für den Treibhauseffekt gilt.Dieselfahrzeuge bleiben aber eine magere Alternative, da sie eine Menge anderer umweltverschmutzender Gase ausstoßen. Der vielversprechendste nächste Schritt wird laut Experten wohl das "Hybridauto" sein, das einen kleinen Verbrennungsmotor mit wiederaufladbaren Batterien oder Brennstoffstellen kombiniert. Übersetzung aus dem Wall Street Journal von Friederike Storz

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben