Wirtschaft : Der verschärfte Wettbewerb macht nicht nur den Kleinbetrieben zu schaffen

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Der deutsche Brot- und Backwarenmarkt stagniert. Wie der Verband deutscher Großbäckereien am Freitag in Berlin mitteilte, verharrte der Umsatz im vergangenen Jahr erstmals seit mehreren Jahren auf dem Niveau des Vorjahres bei 26 Milliarden Mark. Einer der Gründe: Die Bundesbürger essen wegen des steigenden Angebots an Lebensmitteln weniger Brot. Waren es 1997 im Durchschnitt noch 84,3 Kilogramm pro Kopf, sank die Zahl 1998 auf 83,2 Kilogramm. "Die Deutschen sind im Brotverzehr aber nach wie vor Europameister", sagte Helmut Martell, Geschäftsführer beim Verband.

Ein Problem für die Branche sei der "knüppelharte Wettbewerb", der neben den Kleinbetrieben auch den Großbäckereien zu schaffen macht. "Die Umsatzrendite bei uns ist mit 0,8 Prozent viel zu niedrig", sagte Martell. Preiserhöhungen in näherer Zukunft seien jedoch tabu, da besonders bei den Bäckereien, die Supermärkte beliefern, wie Wendeln und Harry die Verhandlungsposition der Handelsketten zu stark sei. Die Großbäckereien wollen ihre Position durch weitere Konzentrationen stärken.

Der Verband beklagte, dass durch die Ökosteuer und die zu erwartenden steigenden Getreidepreise zusätzliche Belastungen auf die Bäckereien zukämen. Ein Ausweg: die Expansion ins europäische Ausland. Als Vorreiter gilt der Düsseldorfer Back-Riese Kamps, der mit Akquisitionen in den Niederlanden die Marschroute vorgegeben habe. Die Zahl der kleinen Bäckereibetriebe mit nur wenigen Filialen, die derzeit einen Marktanteil von rund 30 Prozent halte, werde in den kommenden Jahren noch weiter zurück gehen, hieß es.

Den Berliner Backwarenmarkt nannte Geschäftsführer Martell einen "Prestigemarkt". "Wer woanders gutes Geld verdient, kommt nach Berlin und verliert es wieder". Bei Kamps gilt Berlin allerdings als Wachstumsmarkt. Nach eigenen Angaben soll die Zahl der Berliner Filialen von derzeit 142 in spätestens zwei Jahren auf 250 steigen. Mit innovativen Kreationen wie dem "Brot am Stiel" und einer Frischeoffensive versprechen sich die Düsseldorfer ein Umsatzplus von mehr als 20 Prozent im kommenden Jahr. Die Filialen, die bis zum Ende des Jahres alle unter dem Kamps-Logo firmieren sollen, werden zudem nach und nach an Einzelpersonen verpachtet. Bisher sind erst zehn Filialen auf diesem Wege vergeben. Kostenvorteile sieht Kamps in der zentralen Produktion und der effizienten Filialbelieferung.

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